»Ich hab noch nicht einen einzigen Sklaven in Katar g'sehn.« Mit diesem Zitat hat Franz Beckenbauer die Haltung vieler Menschen im Westen auf den Punkt gebracht. Es gilt: Wir alle halten uns Sklaven. Das ist wahrlich keine neue Erkenntnis mehr. Die Frage ist allerdings: Wieso konsumieren wir weiterhin Produkte, die de facto mit Sklavenarbeit produziert wurden wie Schuhe, Kleidung, Elektronik, Fußballweltmeisterschaften? Was sind die Mechanismen, die es uns in unserer westlichen Sicherheit ermöglichen, die Realität – um die wir, wenn wir ehrlich sind, ganz genau Bescheid wissen – auszublenden und weiterhin auf Kosten anderer zu leben? Wie kann diese Echokammer der selektiven Wahrnehmung und Selbstreferentialität immer noch bestehen – und wie kann man sie verlassen? Vielleicht müssen wir uns auch einfach einer bitteren Wahrheit stellen: Ohne Sklaven könnten wir nicht so leben – Unsere Sklaven sind unsere Lifestyle-Produkte.
Kammerspiele

Uraufführung im Rahmen der Frankfurter Positionen 26. Januar 2019
Regie
Jan-Christoph Gockel

Ausstattung
Amit Epstein

Dramaturgie
Judith Kurz