Deine Nähe ist, glaube mir, der einzige Traum, den ich träume.

Schauspiel
Frankfurt

Das traditionsreiche Schauspiel Frankfurt ist das größte Sprechtheater in der Rhein-Main Region und als überregional profilierte Bühne auch deutschlandweit viel beachtet. Seit der Spielzeit 2017/18 ist Anselm Weber Intendant des Hauses.

In den vier Spielstätten – Schauspielhaus, Kammerspiele, Box und Bockenheimer Depot – bringen renommierte Regisseur_innen wie Jan Bosse, David Bösch, Felicitas Brucker, Barbara Bürk, Jan-Christoph Gockel, Mateja Koležnik, Roger Vontobel und Johanna Wehner sowohl Klassiker als auch zeitgenössische Dramatik auf die Bühne.

Neben seinen Produktionen schafft das Schauspiel Frankfurt in der BOX, in der Panorama Bar und im Chagallsaal Orte für Begegnungen, Diskussionen und Werkschauen, bei denen sich Künstler_innen präsentieren, Zuschauer_innen nachfragen und Bürger_innen der Stadt ins Gespräch kommen.

Im Rahmen des 2017 eingeführten »Studiojahr Schauspiel« absolvieren jährlich Schauspielstudierende der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt ihr drittes Ausbildungsjahr am Schauspiel Frankfurt, wo sie neben erfahrenen Schauspieler_innen auf der Bühne stehen.
GESCHICHTE
Im Jahr 1782 hob sich der Vorhang im ersten eigens errichteten Theatergebäude der Stadt Frankfurt, dem Comoedienhaus am heutigen Rathenauplatz, das fortan als feste Spielstätte von Oper und Schauspiel unter dem gemeinsamen Direktor Friedrich Wilhelm Großmann genutzt wurde. Für das im 19. Jahrhundert zu einer Großstadt heranwachsende Frankfurt wurde das Comoedienhaus bald zu klein, und so zog das Musiktheater 1880 in die heutige Alte Oper. Auch das Schauspiel wechselte 1902 seine Spielstätte: Am 1. November wurde das Neue Schauspielhaus, ein monumentaler Jugendstilbau, am Willy-Brandt-Platz (damals Theaterplatz) eingeweiht. Langjähriger Intendant (1879 – 1912) war Emil Claar. 1920 leitete Richard Weichert, ein Schüler Max Reinhardts, das Schauspiel. Unter seiner Führung kamen viele bedeutende expressionistische Inszenierungen auf die Bühne. 1919 erhielten die vereinigten Stadttheater den Namen Städtische Bühnen Frankfurt am Main.
Die nationalsozialistische Machtübernahme sorgte 1933 für eine Zäsur. Neuer Generalintendant wurde für die gesamte Zeit des Hitler-Regimes Hans Meissner. 1945 lagen alle Frankfurter Theater in Trümmern. Schon kurz nach Kriegsende begannen Oper und Schauspiel in den wenigen intakt gebliebenen Sälen der Stadt zu spielen. Die erste Schauspielinszenierung »Ingeborg« von Curt Goetz wurde im ehemaligen Rundfunksendesaal zur Aufführung gebracht. Später wurde der Saal der Frankfurter Börse für 18 Jahre zur Behelfsspielstätte für das Schauspiel. 1963 wurde schließlich die Theaterdoppelanlage für Oper und Schauspiel eingeweiht, wie sie noch heute besteht. Das Schauspiel eröffnete am 14. Dezember mit Goethes »Faust« seine neue Spielstätte. Die Kammerspiele wurden eine Woche später mit Wittlingers »Seelenwanderung« eingeweiht. Intendant Harry Buckwitz (1951 – 1968) nahm zunehmend Kurs auf das politische Theater. Allein fünfzehn Werke Brechts kamen in seiner Ära auf die Bühne. Mit der Uraufführung von Peter Weiss' »Viet Nam Diskurs« wurde das Theater zum Ort der politischen Auseinandersetzung. Zum Ensemble unter Buckwitz gehörten u.a. Therese Giehse, Grete Mosheim, Arno Assmann und Hans Ernst Jäger.
Eine prägende Phase erlebte das Schauspiel Frankfurt 1972 bis 1981 während des Mitbestimmungsmodells. Die Funktion des Generalintendanten wurde zunächst abgeschafft und an die Spitze des Schauspiel Frankfurt trat ein Dreierdirektorium, das sich aus einem vom Magistrat berufenen Regisseur (Peter Palizsch) und Bühnenbildner (Klaus Gelhaar) sowie einem von der Vollversammlung gewählten Schauspieler (Peter Danzeisen) zusammensetzte. Das Direktorium war an die Beschlüsse des Künstlerischen Beirats gebunden, zu dem ausgewählte Schauspieler_innen, Regisseur_innen, Assistent_innen und Praktikant_innen ebenso wie Bühnen- und Kostümbildner_innen, Souffleusen und Souffleure und Inspizient_innen gehörten. Der Künstlerische Beirat hatte sich wiederum an Beschlüsse der Vollversammlung zu halten (bestehend aus allen Beschäftigten des künstlerischen Bereichs). Dieses in Deutschland einmalige Mitbestimmungsmodell wurde unter dem Direktorium von Wilfried Minks und Johannes Schaaf in der Spielzeit 1980/81 fortgesetzt. Nach einer Theaterbesetzung durch RAF-Sympathisanten und einer polizeilichen Räumung des Hauses am 21. März 1981 wurde das Mitbestimmungsmodell durch die Stadtverordnetenversammlung und den Frankfurter Oberbürgermeister aufgelöst.

In der Phase der Mitbestimmung arbeiteten unter anderem die Regisseure Hans Neuenfels, Klaus Michael Grüber, B. K. Tragelehn oder Horst Zankl am Schauspiel Frankfurt. Zum Ensemble gehörten u.a. Susanne von Borsody, Rosemarie Fendel, Elisabeth Schwarz, Elisabeth Trissenaar, Josef Bierbichler, Traugott Buhre, Heinrich Giskes, Ernst Jacobi, Peter Kremer, Paulus Manker, Peter Roggisch, Fritz Schediwy und Siggi Schwientek.

Nach Adolf Dresen (1981 – 1985) wurde Günther Rühle für fünf Jahre Intendant des Schauspiel Frankfurt. Kurz nach Amtsantritt geriet die für den 1. Oktober 1985 geplante Erstaufführung von Fassbinders antisemitischem Stück »Der Müll, die Stadt und der Tod« zum Theaterskandal. Zuschauer_innen besetzten die Bühne und hinderten die Darsteller_innen am Weiterspielen. Während der Intendanz Rühles war Einar Schleef einer der drei Hausregisseure des Schauspiel Frankfurt, der mit seinen umstrittenen politischen Antikenprojekten für Aufsehen sorgte. 1990 inszenierte Einar Schleef »Faust« mit Martin Wuttke. 1987 musste das Schauspiel noch einmal aus seiner Spielstätte weichen, da bei einem Brand die Bühne der Oper zerstört worden war und diese für drei Jahre das Schauspielhaus nutzte. Das Schauspiel zog daher in das Bockenheimer Depot, das seitdem fester Bestandteil des Frankfurter Kulturlebens ist und seit 2009 wieder regelmäßig durch das Schauspiel Frankfurt bespielt wird. Für die Spielzeit 1990/91 übernahm Hans Peter Doll die Leitung des Schauspiel Frankfurt, bevor ihm 1991 für zehn Jahre Peter Eschberg im Amt folgte.

2004 wurden die Städtischen Bühnen Frankfurt in die Rechtsform einer GmbH überführt. Zu dieser Zeit war Elisabeth Schweeger Intendantin des Schauspiel Frankfurt. Unter ihrer Leitung tat sich vor allem der Hausregisseur Armin Petras hervor, der die Spielstätte Schmidtstraße 12 leitete.

2009 wurde Oliver Reese neuer Intendant, der vom Deutschen Theater Berlin ans Schauspiel Frankfurt wechselte. Nach einem Umbau der Zuschauersäle im Schauspielhaus und den Kammerspielen eröffnete das Doppelprojekt »Ödipus/Antigone« in der Regie von Michael Thalheimer die neue Intendanz. Reese brachte mit Michael Thalheimer, Andreas Kriegenburg, Stephan Kimmig, René Pollesch, Karin Henkel u.a. führende deutschsprachige Regisseur_innen nach Frankfurt.

Seit der Spielzeit 2017/18 ist Anselm Weber Intendant am Schauspiel Frankfurt ist. Er holte Regisseur_innen ans Haus, die nach Thalheimer und Kriegenburg die führenden Köpfe einer jüngeren Theatergeneration sind, u.a. David Bösch, Jan Bosse, Felicitas Brucker, Jan-Christoph Gockel, Roger Vontobel und Johanna Wehner.

Anselm Weber rückte die Auseinandersetzung mit der Stadt ins Zentrum. Mit der Serie »Stimmen einer Stadt« entstand in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Frankfurt über eine Spanne von drei Jahren ein monodramatisches Kaleidoskop von Frankfurt.
Mit »All Our Futures« hat das Schauspiel Frankfurt das bisher größte kulturelle Bildungsprojekt der Stadt ins Leben gerufen und sich mit insgesamt rund 180 Jugendlichen mit Fragen zur Zukunft des Zusammenlebens auseinandergesetzt. Darüber hinaus erweitern Performances, Workshops und Gespräche das Angebot für Jugendliche im Jungen Schauspiel Frankfurt.