1889 schrieb Gerhart Hauptmann ein Stück über die schlesischen Bauern, die durch den Verkauf ihrer Felder für die Kohlegewinnung zu Neureichen wurden und läutete mit großem Erfolg den Naturalismus ein. Er legte die wachsenden Klassenunterschiede zwischen arm und reich bloß und zeigte eine dekadente Oberschicht zwischen Alkoholismus, sexuellen Missbrauch und psycho-sozialer Verelendung. Ewald Palmetshofer ist einer der wichtigsten Gegenwartsdramatiker. Seine Hauptmann-Überschreibung zählt zu den erfolgreichsten Stücken dieser Saison. Ihm gelingt es, die heutige Mittelschicht haarscharf ins Visier zu nehmen: Eingeheiratet in einen Maschinenbaubetrieb hat der Jungunternehmer Hoffmann sich den sozialen Aufstieg gesichert, den er jetzt mit rechtspopulistischen Thesen flankiert. Sein Jugendfreund Loth, der als linksengagierter Journalist plötzlich auftaucht und ihn durch seine Recherchen zu entlarven versucht, setzt letztlich auch nur auf das kleine private Glück seiner Gelegenheitsliebschaften, während der Schwiegervater im Haus sich seit langem dem Alkohol ergibt. Seine Frau schwankt zwischen Mutterglück und Depression, wohingegen ihre erfolglose Single-Schwester kurzeitig Unterschlupf im elterlichen Heim sucht. Alle ringen um eine Perspektive in dieser Nacht, wo am Ende die Sonne aufgeht und zeigt, wie die Verhältnisse wirklich sind.
Schauspielhaus

Premiere 01. Februar 2019