Unter uns. Unsichtbar?

Fragile Verbindungen #4
Foto: Felix Grünschloß
Theaterprojekt Junges Schauspiel ab 14 Jahren
von Martina Droste und Tina Müller
Kammerspiele
Uraufführung 09. Dezember 2022

Termine

https://www.schauspielfrankfurt.de Schauspiel Frankfurt Neue Mainzer Straße 17, 60311 Frankfurt am Main
Mi. 15.02.2023
20.00–21.30
https://www.schauspielfrankfurt.de Schauspiel Frankfurt Neue Mainzer Straße 17, 60311 Frankfurt am Main
Mo. 06.03.2023
20.00–21.30
https://www.schauspielfrankfurt.de Schauspiel Frankfurt Neue Mainzer Straße 17, 60311 Frankfurt am Main
So. 19.03.2023
18.00–19.30
TEAM
Bühne und Kostüm: Michaela Kratzer
Komposition und Sounddesign: Max Mahlert
Fachliche Beratung: Thomas Altmeyer, Gottfried Kößler
Chorische Einstudierung: Christina Lutz
Produktionsleitung: Tatjana Trikić
BESETZUNG
Elisa Batori, Ayman Ben Magahed, Luis Da Silva, Binyam Mesfun, Aina-Sofie Engler, Paula Elisabeth Skirde, Mobin Soltani, Daphné Doisy-Tiesset, Sophie Weidenmüller, Annalisa Weyel
INHALT
In Frankfurt leisteten 1944 etwa 50.000 Menschen aus ganz Europa Zwangsarbeit für die Industrie, die Stadt und Handwerksbetriebe. In den Adlerwerken im Gallus gab es ein Konzentrationslager. 1616 Häftlinge arbeiteten in der Fabrik – fast die Hälfte überlebte den Terror nicht.
Gefühlserbschaften dieser Zeit prägen den Rassismus der deutschen Gegenwart. Sie belasten die Beziehungen, die in der Gesellschaft der Vielheit das Leben ausmachen. Was machen junge Frankfurter:innen mit der Erinnerung an diese Verbrechen?
Für 10 Jugendliche ist der »Geschichtsort Adlerwerke« Ausgangspunkt einer Suche nach Zusammenhängen zwischen Zwangsarbeit, der Nazi-Ideologie »Deutscher Arbeit« und ihren eigenen Erfahrungen mit Arbeit, Abhängigkeit
und Widerstand heute.
Im vierten Projekt der »Fragilen Verbindungen« zu erzwungener Migration vom Nationalsozialismus bis zur Gegenwart recherchiert wieder ein diverses und inklusives Jugendensemble. Es spürt in einer bild- und bewegungsintensiven
Performance den spannungsreichen Dilemmata zwischen Hilfeleistungen, Ignoranz, Denunziation und Vorteilsnahme nach und fragt ganz persönlich, wie Hierarchisierung von Privilegien und Machtstrukturen bis heute fortwirken.

Das Projekt wird ermöglicht durch die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und das Bundesministerium der Finanzen (BMF).
PRESSESTIMMEN
»Überzeugend tief dringt das Ensemble multiperspektivisch in unterschiedliche Phasen der Geschichte vor. Der Abend zeigt, wie Erinnerung auch aus fast 80 Jahren Abstand gelingen kann.«
Frankfurter Rundschau, 12. Dezember 2022
»Das inklusive Ensemble des Jungen Schauspiels Frankfurt nutzt […] Parolen aus dem Nationalsozialismus, um sich mal laut und deutlich, mal leise und nachdenklich in die Zeit hineinzuversetzen. […] Das diverse junge Ensemble befasst sich jedoch nicht nur mit den Gefühlen, die aus der Vergangenheit kommen, sondern überträgt rassistisch begründete Privilegien und Machtstrukturen auch in die Gegenwart. Das sind die Momente, in denen Einzelne ganz subjektiv von sich und ihrer Familiengeschichte erzählen. […] mutig und unerschrocken stellt das junge Ensemble auch die Problematiken der heutigen Arbeitswelt dar. Das bringt 90 Minuten lang zum Nachdenken, hin und wieder auch zum Lachen.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. Dezember 2022
»Es ist ein kluger Kniff, die Schwierigkeiten von erinnern und erzählen zu thematisieren und sich nach Momenten, die fast nach Verstummen klingen, langsam an das zu Erzählende und zu Erinnernde heranzutasten. […] Die jungen Menschen greifen dabei Biografieschnipsel ehemaliger Zwangsarbeiter heraus, die in den früheren Adlerwerken unter unmenschlichen Bedingungen für die Rüstungsindustrie arbeiten mussten. Diese Biografiesplitter dienen ihnen gewissermaßen als Sprungbrett, von dem aus sie in eigenen Erfahrungen und Familiengeschichten, der Nachkriegszeit und heutigen ungerechten bis unmenschlichen Bedingungen landen: Und das nicht nur in fernen Ländern - sondern auch unter uns, in Frankfurt. […] Im Laufe der kleinen Performance wird der Rasen (Golf, Fußball) zusammengerollt und der eigentliche Untergrund sichtbar, aus dem sich sogar Stimmen erheben. Und was zunächst als interessantes Nebeneinander unterschiedlicher Lichter und Lampen erschien, entpuppt sich als Sinnbild für ungerechte Lebensverhältnisse.«
Frankfurter Neue Presse, 12. Dezember 2022
Foto: Felix Grünschloß