»Ich, ein Jud«

Die Verteidigungsrede des Judas Ischarioth
Foto: Alexandra Polina
von Walter Jens
SF DIGITAL
Premiere: 30. April 2021
TEAM
Es liest: Isaak Dentler
Live-Musik: Max Mahlert (Schlagzeug), Tim Roth (Kontrabass, Elektronik)
INHALT
Judas gilt in der biblischen Überlieferung als zwielichtiger Jünger Jesu, der für 30 Silberlinge seinen Freund verriet und so dem sicheren Tod am Kreuz auslieferte. In seinem fiktiven Monolog »Ich, ein Jud«, der auf Grundlage seines Romans »Der Fall Judas« von 1975 entstanden ist, wirft der Altphilologe und Literaturhistoriker Walter Jens einen neuen, anderen Blick auf Judas Ischarioth. Judas erscheint in seiner direkten Rede an das Publikum als zerrissener, von Schuldgefühlen bedrückter Mensch und erläutert uns seine Sichtweise auf die ihm zugeschriebene Rolle zur Erlösung der Menschheit durch das Opfer des Gottessohns. Einerseits verteidigt er seine Tat als notwendigen Bestandteil der Heilsgeschichte und die des Christentums, die er einvernehmlich mit Jesus bereit war, zu begehen. Andererseits überkommen ihn Zweifel und er stellt sich die Frage, wie die Geschichte ohne seinen Verrat verlaufen wäre. Hätte es vielleicht keine Kreuzigung, keine christliche Kirche gegeben, vielleicht auch keine Judenverfolgung – und wäre Jesus vielleicht friedlich als alter Mann gestorben? Ensemblemitglied Isaak Dentler liest diese außergewöhnliche Verteidigungsrede und wird musikalisch begleitet von Max Mahlert (Schlagzeug) und Tim Roth (Kontrabass, Elektronik).

Erschienen im Radius-Verlag (unter dem Titel: »Der Teufel lebt nicht mehr, mein Herr! Erdachte Monologe – imaginäre Gespräche«)

PRESSESTIMMEN
»Der Text setzt auf Verstand und Herzensbildung seines Publikums, er appelliert daran auf eine ergreifende Weise. […] Die stete Instrumentalgrundierung geht die Stimmungswechsel des Texts mit, eine gelungene Intensivierung, gerade weil sie nicht direkt notwendig ist. Dentler braucht gar nichts weiter, um der […]verzweifelt zweifelnde Judas zu sein […] Und trotzdem ist es auch die Musik die aus dem Monolog endgültig einen wuchtigen Vorgang macht.«
Frankfurter Rundschau, 3. Mai 2021
Foto: Alexandra Polina
PODCAST ZUR LESUNG