Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk

Foto: Arno Declair
nach Jaroslav Hašek, Bertolt Brecht & einer Recherche zur Schlacht um Bachmut
Schauspielhaus
Premiere 11. September 2026
ca. 3 Stunden 30 Minuten, eine Pause
https://www.schauspielfrankfurt.de Schauspiel Frankfurt Neue Mainzer Straße 17, 60311 Frankfurt am Main
Fr. 02.10.2026
19.00–22.30
Ausverkauft
evtl. Restkarten an der Abendkasse
https://www.schauspielfrankfurt.de Schauspiel Frankfurt Neue Mainzer Straße 17, 60311 Frankfurt am Main
Mo. 05.10.2026
19.00–22.30
Einführung 18.30
https://www.schauspielfrankfurt.de Schauspiel Frankfurt Neue Mainzer Straße 17, 60311 Frankfurt am Main
So. 11.10.2026
18.00–21.30
Einführung 17.30
HERBSTAKTION: 2 FÜR 1
https://www.schauspielfrankfurt.de Schauspiel Frankfurt Neue Mainzer Straße 17, 60311 Frankfurt am Main
Fr. 23.10.2026
19.00–22.30
https://www.schauspielfrankfurt.de Schauspiel Frankfurt Neue Mainzer Straße 17, 60311 Frankfurt am Main
So. 01.11.2026
18.00–21.30
https://www.schauspielfrankfurt.de Schauspiel Frankfurt Neue Mainzer Straße 17, 60311 Frankfurt am Main
Do. 05.11.2026
19.00–22.30
https://www.schauspielfrankfurt.de Schauspiel Frankfurt Neue Mainzer Straße 17, 60311 Frankfurt am Main
So. 15.11.2026
18.00–21.30
https://www.schauspielfrankfurt.de Schauspiel Frankfurt Neue Mainzer Straße 17, 60311 Frankfurt am Main
Fr. 27.11.2026
19.00–22.30
Mit Liedern aus Brechts »Schweyk im zweiten Weltkrieg« von Hanns Eisler, in einer Bearbeitung von Matthias Grübel.

Schwejk - eine Till Eulenspiegel-Figur im Krieg: Mit anarchischem Witz untergräbt »der brave Soldat« die Kriegsmaschinerie des Ersten Weltkriegs. Jaroslav Hašeks zweibändiger, unvollendeter Roman wurde von seinem Autor selbst als »bestes humoristisch-satirisches Buch der Weltliteratur« angepriesen. Trotz Rheuma zieht Schwejk in den Krieg, der sich in Hašeks aberwitzigen Episoden als Chaos entlarvt.

Bertolt Brecht war begeistert von der Schwejk-Figur. Hašeks Roman hat ihn über Jahre nicht losgelassen. Gemeinsam mit Erwin Piscator erarbeitete er eine berühmte Bühnenbearbeitung des Textes, die 1928 zur Aufführung kam. Darüber hinaus hatte Brecht Pläne, den Stoff zu verfilmen, um schließlich 1943 im amerikanischen Exil an einem eigenen Stück zu schreiben, in dem er »Schweyk im zweiten Weltkrieg« aufmarschieren lässt, wo er ein dienstbares Rädchen des deutschen Faschismus wird. Hanns Eisler schrieb die Musik dazu, darunter Songs wie »Das Weib vom Nazisoldaten« oder »Das Lied vom kleinen Wind«. Am Ende des Stückes trifft Schwejk, »der kleine Mann«, der sich freiwillig gemeldet hat, in Stalingrad auf Hitler. Das Stück von Brecht bildet den zweiten Teil einer Schwejk-Trilogie, die Regisseur Jan-Christoph Gockel im Ersten Weltkrieg beginnen lässt.

Der dritte Teil zeigt »Schwejk in Bachmut«. Textliche Grundlage hierfür bilden Interviews mit ehemaligen Wagner-Söldnern, die an der Schlacht um Bachmut beteiligt waren. Sie werfen einen Blick auf die »kleinen Rädchen« innerhalb der Kriegsmaschinerie. Wie halten die einzelnen Rädchen eine Vernichtungsmaschinerie am Laufen? Und: Kann ein »Idiot« wie Schwejk heute noch eine Kriegsmaschine aus dem Takt bringen?

Jan-Christoph Gockel verbindet wie kaum ein anderer Regisseur Politik mit Poesie: In seinen Arbeiten treffen Puppen, Schauspieler:innen, Film, Musik und dokumentarisches Material aufeinander. Am Schauspiel Frankfurt war in seiner Regie u.a. »Öl!« sowie »Faust 1 & 2« zu erleben. Er ist Hausregisseur an den Münchner Kammerspielen und wurde mit seiner Arbeit »Wallenstein« zum Berliner Theatertreffen 2026 eingeladen.

Ermöglicht durch den

Der dritte Teil des Stücks basiert auf Interviews mit russischen Soldaten, die 2023 an der Schlacht um Bachmut teilgenommen haben. Diese Szenen könnten für ukrainische Zuschauer:innen und/oder alle, die in diesem Krieg durch russische Angriffe Verluste erlitten haben, emotional belastend sein oder (re-)traumatisierende Erinnerungen hervorrufen. Wir bitten Sie, diese Hinweise vor dem Besuch des Stücks zu berücksichtigen.

Wenn Sie zu bestimmten Themen vorab Informationen benötigen, melden Sie sich gern bei der für diese Inszenierung zuständigen Dramaturgin Katrin Spira unter Katrin.Spira@buehnen-frankfurt.de.

»Der Auftakt des Abends ist furios. Regisseur Jan-Christoph Gockel hatte die sensationelle Idee, einen Stummfilm daraus zu drehen. […] Was mich wirklich hier begeistert hat, ist das elaborierte Bühnenbild. […] Diese Stummfilmfassung des Schwejk ist sehr visuell, sehr unterhaltsam, sehr physisch, und obwohl diese Anmutung aus einem anderen Jahrhundert zu stammen scheint, entsteht ein wirklich sehr beklemmendes Gefühl. […] Dieser Transfer von Schwejk in die heutige Zeit ist wirklich genial gelungen. […] Eine dreistündige Inszenierung, aber die positiv verstörend, fulminant, kurzweilig und sehr dicht, sehr vielschichtig ist. Das Frankfurter Ensemble war nie besser. Ich bin restlos überzeugt.«
hr2 Frühkritik, 14. September 2026
»Je weiter die Kriege zeitlich von uns entfernt sind, desto beherzter, aber auch abstrakter gerät Gockels Regiezugriff. So macht er im ersten Teil mit Hašeks alle schwindelig quatschenden Plaudertasche kurzen Prozess: Eine alte Kurbelkamera bannt das Bühnengeschehen als fast putzigen, authentisch knisternden Stummfilm auf zwei Screens. Gockels Lust am Bild ist groß, […]. Aber Budenzauber kann er halt auch wie kaum ein Zweiter. Und die große Bühne in Frankfurt, auf die Julia Kurzweg eine waschechte „Dicke Berta“ gestellt hat, kommt ihm da sehr entgegen […]. Auch im zweiten Teil zaubert die Regie optisch und bringt ihre Tricks augenzwinkernd gegen den Autor in Stellung. Brecht hat die Nazis, denen sein Protagonist begegnet, zur Übergröße aufgeblasen. Gockel lässt dem V-Effekt die Luft ab und Hitler zu einer Mini-Marionette aus der Werkstatt seines Puppenbau-Kumpanen Michael Pietsch schrumpfen. Annie Nowak, als Conférencière eine der Besten im durchweg prächtig aufgelegten Ensemble, leiht ihm erst ihre Brusttasche und dann ihre Stimme.«
theaterderzeit.de, 15. September 2026
»In bester Chaplin-Manier hangelt und dreht die Pickelhauben-Truppe Schwejks an der Kanone herum, verfranst sich dabei immer mehr in ihrer Mechanik, bis sie als wortwörtliches Kanonenfutter selbst ins Rohr eingespeist wird. Das gewaltige Bühnenbild, geschaffen von Julia Kurzweg, mitsamt der komischen und doch kriegerischen Choreographie des Ensembles enthält dabei in nuce die Kernfrage des Abends: Wie sich als kleiner Soldat gegenüber der übergroßen Maschinerie des Krieges behaupten?«
nachtkritik.de, 12. September 2026
»Doch ist am eindrücklichsten und komischsten Annie Nowak, die von der Seite das Geschehen mitmoderiert und mit winziger Hitler-Marionette (großartiger Puppenbau: Michael Pietsch) dem Miniatur-Diktator und eigentlichen kleinen Mann die bekannt-schnarrende Stimme verleiht. […] diese ersten zwei Stunden durch Hašek und Brecht führen […] dahin, wo Gockel eigentlich hinwill: zum Heute und dem Krieg in der Ukraine am Beispiel der Hölle in Bachmut 2023. Haushaltsgeräte liegen in Stapeln auf der Bühne, Lotte Schubert versteckt sich unter dem Kanonenrohr der „Dicken Bertha“ vor einer über der Bühne kreisenden Drohne. Interview-Schnipsel erzählen von der Rekrutierung, unterschiedlichen Gründen der Soldaten, an die Front zu gehen, bei denen Geld eine wesentliche Rolle spielt. Dann die Ausbildung, die Überschreitung der Grenze in die Ukraine, Front-Erlebnisse, Plünderungen, die Heimkehr. Erzählungen dieser unvorstellbaren Realität gehen unter die Haut. Die Kriegs-Banalität kommt in dieser Inszenierung mit karikierten und referenzierten Bildern auf die Bühne. So geschichts- und inhaltsgefüllt gibt es viele einprägsame Bilder, […]. Kein Idiot, kein Hans im Glück, aber ein Mensch mit vielschichtigen Antrieben: so erscheint schließlich das Ensemble als eine Vielzahl von Schwejks, die sich als kleine Rädchen immer und immer noch weiterdrehen.«
die-deutsche-buehne.de, 14. September 2026
»Eike Zuleeg führt die Kamera, zu den naturgemäß kargen Schrifttafeln wird gequatscht und gezappelt und gehorcht – Schwejk gehorcht grundsätzlich. Ein Spaß, aber Gockel und das unheimlich lebhafte Ensemble sorgen dafür, dass einem auch mulmig dabei wird. Das Wort von Verdun ist schon gefallen. Das wird böse enden. Und so spielen sie es auch bei allem Grimassieren und Gestikulieren. Selbst als Stummfilmwitz hat Koch eine konzentrierte Kühle, einen Abstand. Hier wird dem Affen kein Zucker gegeben. […] Brechts Hitler wäre bei Brecht ein Riese, aber Pietsch hat die kleinstmögliche Marionettenfigur gebastelt, der Annie Nowak mit fabelhaft bräsig-pathetischer Stimme den Rest gibt. Hitler merkt es nicht, es ist furchtbar komisch. […] Die Ideen gehen Gockel und dem Ensemble nicht aus. Auch das trägt zur frösteligen Temperatur bei: Das Theater fährt auf, es ist witzig, es wird glänzend gespielt und eine Auswahl von Hanns Eislers Songs zum Stück gesungen, denen Matthias Grübel (Musik und Hörspiel) den Rest an Bänkelliedgemütlichkeit austreibt. Melanie Straub serviert als „Kelch“-Wirtin das „Lied vom Weib des Nazisoldaten“, Lotte Schubert das „Lied vom Schwarzen Rettich“, Annie Nowak das „Lied von der Moldau“. Das Theater zeigt seine gut trainierten Muskeln und feinen Nerven, aber es kann nichts tun. Es kann uns nur darauf stoßen, was passiert ist und weiter passiert.«
Frankfurter Rundschau, 14. September 2026
»Was aber wird aus einem solchen Schwejk in unserer Gegenwart? Die Frage versucht der dritte Teil zu beantworten, der Soldaten von Anwerbung, Musterung, Ausbildung und Fronterfahrung berichten lässt, von Angst und Abstumpfung, vom Töten und Plündern und von der Rückkehr in die Heimat. Die Texte, die teils vorgetragen, teils gespielt werden, sind grauenhaft und unvergesslich, das neunköpfige Ensemble agiert großartig, und auch hier erweisen sich die Puppen, nunmehr die Leichen der Gegner darstellend, als hervorragend eingesetzt – erst werden sie ängstlich umgangen, nach ein paar Tagen Krieg dann ungerührt auf einen Einkaufswagen gestapelt, damit sie nicht beim Plündern stören.«
FAZ, 14. September 2026
»Wie man den ganzen Aberwitz des Phänomens Krieg in einer einzigen Theaterszene zu fassen bekommt, das zeigen diese rund 30 ersten Minuten.[…] Und man kann nur staunen, wie es Regisseur Jan-Christoph Gockel gelingt, diese Szenenfolge so präzise, irrwitzig, temporeich und auch lustig in Szene zu setzen, dass einem der Atem stockt. Ein permanent kurbelnder Kameramann wirft dazu live gedrehte Stummfilmszenen auf zwei Leinwände über dem Bühnenraum, in denen diese Geschichte zu sehen ist – sie führen auf direktem Weg in die Zeit des Ersten Weltkriegs zurück. Schwarz-weiß, mit Kratzern und mit ruckelnden, aussetzenden Bildern, so, als würde das Ganze viel zu schnell abgespielt. Doch genau so zeigt es das Ensemble auf der Bühne – und macht diesen Epilog damit zu einem furios gespielten Witz. […] Überhaupt sorgt Gockel […] für einen in vielerlei Hinsicht außergewöhnlichen Schauspielabend, der voller Brüche und Ideen steckt. Dazu gehört etwa Puppenspiel, bei dem Hitler als kleines Männlein auf der Bühne bramarbasieren darf. Dazu gehören Brecht-Weill-Lieder als musikalische Einsprengsel. Dazu gehören eindrückliche Filmbilder, die rund um die gigantische Bühnenkanone erzeugt werden. Und dazu gehört der dritte Teil, der auf einer Recherche in Russland beruht und ins Kriegsjahr 2023 führt […] Ob sich die vielen Einzelteile des Abends stimmig ineinanderfügen, muss jeder Besucher für sich selbst entscheiden. Anregend, überraschend und intensiv ist er in jedem Fall.«
Gießener Anzeiger, 14. September 2026
»Dieser Anschlussversuch der Schwejk-Figur an die Gegenwart beleuchtet die Frage, ob Schwejk heutigen Angriffskriegern noch etwas zu sagen hat. Die Antwort lautet: Nein. Doch dieses Nein diskreditiert den künstlerisch vielseitigen und toll gemachten Abend über das Jasagen im Krieg keineswegs. Gockel und sein Team nehmen den Humor sehr ernst. Nicht weil er heilt, aber hilft, den Horror auf die Bühne zu holen. […] Dann geht Gockel vom Gas. Mit dem zu Brechts Lebzeiten nie aufgeführten Schwejk-Stück […]. Nun tragen alle Schauspieler außer Schwejk Umrisse von Puppen vorne am Körper und überm Gesicht, diese ähneln einer grob geflochtenen Rüstung (Puppenbau: Michael Pietsch, Kostüme: Janina Brinkmann). Die meisten Stimmen werden elektronisch verfremdet. Und Annie Nowak führt kommentierend durch den Brecht-Teil und übernimmt den Text des bei Brechtnarzisstisch verblendeten Hitlers, wenn Michael Pietsch ihr die ganz kleine Führermarionette auf die Schulter stellt. Das wirkt zu gleichen Teilen grob und fein. Es sind hybride Mensch-Monster, die im Prag unter Hitler versuchen, zu überleben – als Täter, Opfer, Mitläufer. Verformt am Körper, um die innere Kooperationsbereitschaft zu zeigen, selbst wenn das Spiel einen Rest Widerstand vorgaukelt: Es macht Spaß, zuzuschauen, wie die Figuren in der absurden Komödie vorgeführt werden. […] Gockel probiert nüchtern, aber virtuos beides aus und treibt die Entwürfe in die Extreme. Der Slapstick-Schwejk des ersten Teils ist wie Dürrenmatt auf Speed, der zweite Teil wie Brecht auf Steroiden, als aufgepumpter V‑Effekt. Bei Brecht war Verfremdung gleichbedeutend mit dem für heutige Wahrnehmungsweisen geradezu subtilen Mittel des detailreichen Spiels. Und bei Dürrenmatt wäre die Komödie stärker über den Text gelaufen und weniger über den Körper. Aber die Updates, die Gockel diesen Dramaturgien verpasst und mit denen er Schwejk erzählt, erweitert mit Rüstungen, Puppen und Marionetten, haben dafür einen sehr hohen Schauwert. Matthias Grübels Toneffekte und Arrangements der Lieder von Hanns Eisler unterstützen die fast choreografischen Momente.«
diezeit.de, 14. September 2025
Foto: Arno Declair