Eines langen Tages Reise in die Nacht
von Eugene O‘Neill
Aus dem Englischen von Michael Walter
Aus dem Englischen von Michael Walter
Schauspielhaus
Premiere 3. Oktober 2026
ca. 1 Stunde 50 Minuten, keine Pause
Termine
Mi. 21.10.2026
19.30–21.10
TEAM
Regie: Max Lindemann
Bühne: Signe Raunkjær Holm
Kostüme: Cédric Mpaka
Dramaturgie: Jana Fritzsche
Licht: Jan Walther
BESETZUNG
Heidi Ecks (Mary Tyrone)
Uwe Zerwer (James Tyrone)
Christoph Bornmüller (James Tyrone Jr.)
Miguel Klein Medina (Edmund Tyrone)
Familie Tyrone wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Gemeinsam mit ihren Söhnen Jamie und Edmund verbringen Vater James und Mutter Mary den Sommer in ihrem Ferienhaus. Doch im Lauf eines einzigen Tages beginnt die weichgezeichnete Oberfläche des Familienbilds zu bröckeln. In alkoholgetränkten Wortgefechten entfaltet sich das Porträt einer Familie, die um Nähe ringt und sich ihrer gemeinsamen Vergangenheit stellt. Schicht für Schicht decken sie Erinnerungen, unerfüllte Wünsche und unverarbeitete Verletzungen auf.
Eugene O’Neill verarbeitet in seinem erst posthum uraufgeführten Drama die eigene Familiengeschichte und seine lebenslange Auseinandersetzung mit Schuld, Abhängigkeit und der Suche nach Verständnis. Max Lindemann (»Phädra in Flammen«, »Süßer Vogel Jugend«) widmet sich in seinen Regiearbeiten bevorzugt den vielschichtigen Gefühlswelten seiner Figuren und bringt O‘Neills bewegendes Familiendrama mit großer Sensibilität auf die Bühne.
Eugene O’Neill verarbeitet in seinem erst posthum uraufgeführten Drama die eigene Familiengeschichte und seine lebenslange Auseinandersetzung mit Schuld, Abhängigkeit und der Suche nach Verständnis. Max Lindemann (»Phädra in Flammen«, »Süßer Vogel Jugend«) widmet sich in seinen Regiearbeiten bevorzugt den vielschichtigen Gefühlswelten seiner Figuren und bringt O‘Neills bewegendes Familiendrama mit großer Sensibilität auf die Bühne.
Das Stück thematisiert Suchterkrankungen und Kindstod. Diese Themen können für Betroffene emotional belastend sein oder (re-)traumatisierende Erinnerungen hervorrufen. Wir bitten Sie, diese Hinweise vor dem Besuch des Stücks zu berücksichtigen.
Wenn Sie zu bestimmten Themen vorab Informationen benötigen, melden Sie sich gern bei der Dramaturgie Dramaturgie.Schauspiel@buehnen-frankfurt.de.
Wenn Sie zu bestimmten Themen vorab Informationen benötigen, melden Sie sich gern bei der Dramaturgie Dramaturgie.Schauspiel@buehnen-frankfurt.de.
Wir weisen Sie darauf hin, dass bei dieser Aufführung starker Bühnennebel eingesetzt wird. Der Nebel ist nicht gesundheitsgefährdend.
»In Max Lindemanns Inszenierung geht es lebhaft zu. Dies ist kein Trauermarsch wie in manch anderer Darbietung des Stücks. O’Neills Zumutung wird trotzdem greifbar. […] Die Stärke dieses gnadenlosen Schauspiels liegt in den abrupten Wechseln. Vorwürfe schlagen in Vergebung um, Angriffe in Rückzug, und dann beginnt alles von Neuem. Die vier Darsteller halten die Spannung in dieser Choreographie aus Nähe und Distanz und gewinnen ihr mitunter sogar Komik ab.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. Oktober 2026
»Was muss eine Regie tun, damit das neurotische Dauerleid am eigenen Versagen, die verdrängte Schwere der Schuld und das Komasaufen aller drei männlichen Darsteller noch bewegen kann? Es braucht den psychologisch feinsinnigen Blick von Regisseur Max Lindemann, vier vielschichtige Schauspieler, Zeichenhaftigkeit statt purem Realismus und eine Rotationsbühne, die sich als schwankendes Zuhause auf den Kopf drehen lässt (aufregend: Signe Raunkjaer Holm). Indem Lindemann Textredundanzen kürzt und seine Inszenierung mit ironischen Verweisen auf die Theaterhaftigkeit von O‘Neills autobiografisch getränktem Werk spickt, verfliegen die verbliebenen knapp zwei Stunden […] wie im Flug.«
Frankfurter Neue Presse, 5. Oktober 2026
»Wenn es ein Stück gibt, in dem Menschen auf der Bühne stehen und nicht Ideen oder Typen, Prinzipien oder Spiegelungen der amerikanischen Gesellschaft, dann ist es dieses. […] Das Bühnenbild ist […] eine Wucht. Die Bühne des Schauspielhauses wurde dafür etwas verengt und Richtung Publikum verschoben, was akustisch ein Vorteil ist. […] Als James, Jamie und Edmund zum Arzt besuch aufbrechen […] und Mary sich im Rausch verliert, beginnt der Bühnenwürfel hinten sich zu drehen. Es stürzen die Bücher, es fallen die Bilderrahmen, die Deckenlampe knickt ab. […] Das ist eine große Sache, das sieht man nicht alle Tage. Es vervollständigt den Eindruck rigoros nach außen gestülpter Gefühlslagen. Nach außen an die Oberfläche gestülpt. […] Heidi Ecks als Mary ist […], die die Gelegenheit bekommt und nutzt, eine Rolle voll und ganz und schrecklich menschlich auszufüllen. Ihre Verunsicherung, ihre Verzweiflung sind greifbar mit jedem Abtasten des wüsten Haars, jedem Händeringen. Das Gesicht ist der Schminke zum Trotz nackter Ausdruck des nicht mehr zu heilenden Unglücks.«
Frankfurter Rundschau, 5. Oktober 2026
»Heidi Ecks zieht diese scheue Unruhe beeindruckend durch […]. Max Lindemann […] hat O’Neills Text gekürzt […]. Aber, so muss man einräumen, durch diese Reduktion auf den Kern dieses wahrhaften Dramas hat er es auch aktualisiert. Was sich da auf der Bühne abspielt, das könnte sich heute oder morgen in den Einfamilienhäuschen an Rande jeder Innenstadt genauso gut wieder ereignen. […] der Vater (Uwe Zerwer), kehrt nicht den Schauspieler raus, den er verkörpert. Er präsentiert sehr überzeugend den geizigen Egozentriker […] Erst gegen Ende dieser großartig kondensierten Fassung, wenn Jamie und Edmund noch einmal richtig in den Clinch geraten, vor allem Jamie in einer eindrucksvollen Ambivalenz seine Zuneigung zu Edmund und zugleich seinen Neid auf ihn regelrecht herauskotzt, wird eindrucksvoll gezeigt, was Geschwister aneinanderkettet […].«
textor.online.de, 6. Oktober 2026