Foto: Felix Grünschloß
Das Schauspiel Frankfurt hat mit der  Intendanz von Anselm Weber eine monodramatische Serie über Frankfurt begonnen. Autoren_innen treffen Menschen aus dieser Stadt und überschreiben deren Biographien in einen poetischen Text, der von einer Schauspielerin oder einem Schauspieler aus dem Ensemble dargestellt wird. Ziel des Formates ist es, das Reale poetisch zu überschreiben. Hier entsteht kein dokumentarisches Theater, sondern eine literarische Überhöhung und eine theatrale Kunstfigur. Genau die Verknüpfung dieser drei Ebenen – dokumentarische Recherche, poetische Überschreibung und inszenierte Darstellung -  sind Teil des Projekts. Über eine Spanne von drei Jahren entsteht damit ein literarisch-dramatisches Kaleidoskop dieser Stadt.

Hauke Hückstädt, der Leiter des Literaturhauses Frankfurt und Marion Tiedtke, Chefdramaturgin am Schauspiel Frankfurt, haben renommierte Autoren_innen ausgewählt, die meist zum ersten Mal für das Theater arbeiten: Wilhelm Genazino, Olga Grjasnowa, Teresa Präauer schrieben für die erste Staffel, dann folgten Anja Rávik Strubel, Thomas Pletzinger und Angelika Klüssendorf. In der Spielzeit 19/20 schreiben nun Martin Mosebach, Lars Brandt und Zsuzsa Bánk. Am Ende der Serie werden alle neun Monologe an einem Wochenende gezeigt. Die bisherigen Staffeln sind als Repertoire-Stücke im laufenden Spielplan zu sehen.

Die Potsdamer Autorin Antje Rávik Strubel interessiert sich für das Unsichere unserer Identitäten, für die Frage, wer wir sind, für die Leerstellen in unseren Leben. Sie porträtiert einen Strafverteidiger, dessen Rückblick auf seine erfolgreiche Karriere feine Risse zwischen öffentlichem und privatem Leben offenbart. Thomas Pletzinger ist ein Meister der literarischen Reportage. Sein Text verleiht einer Frau die Stimme, die den letzten – unsentimentalen – Rundgang durch ihr Hotel macht, das sie jahrelang mit trockenem Humor und praktischem Verstand geführt hat. In »Branka« von Angelika Klüssendorf erzählt eine Wirtin am Ende eines arbeitsreichen Tages vom Verlust der Heimat, vom Neuanfang in Frankfurt, von einer scheinbar unauflöslichen, strukturellen Gewalt in ihrem Leben: einer Gewalt, der sie mit ihrem lauten und überbordenden »Branka-Lachen« begegnet.

Die Monologe »Ich verlasse dieses Haus« von Thomas Pletzinger und »Branka« von Angelika Klüssendorf werden im regulären Spielplan beide an einem Abend gespielt, »Unvollkommene Umarmung« von Antje Rávik Strubel als einzelner Monolog. Zur Uraufführung am 06. April waren alle drei Monologe an einem Abend zu erleben.

Hier geht es zu den beiden Produktionen:
und

»Stimmen einer Stadt« entsteht in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Frankfurt am Main e.V.

Ermöglicht durch den Hauptförderer
sowie

Pressestimmen

»An dem […] Premierenabend in den Kammerspielen offenbarte sich, dass die Idee von einem „Kaleidoskop des Urbanen“ […] wiederum in einer erfreulichen Weise aufgegangen ist. […] Fokussiert auf die sämtlich ganz herausragenden Schauspieler, hat Intendant Anselm Weber die Stücke […] inszeniert. Das ist ein so fulminanter wie wirklichkeitssatter Abend […].«
Frankfurter Neue Presse, 8. April 2019
»Es ist ein großer Gewinn, dass das Schauspiel Frankfurt Regisseur Anselm Weber und die drei Autoren ihren Protagonisten treu bleiben. Es ist ein Abend der Nuancen, und diese Nuancen setzten die drei Schauspieler auf der immer gleichen schrägen weißen Bühne recht unterschiedlich in Szene. […]Anna Kubin im Text von Thomas Pletzinger, hier erzählt eine Tochter direkt über ihre Eltern und deren Hotel im Bahnhofsviertel, ein reportagehafter Text, grandios gespielt. […] Hier ist das Stadttheater tatsächlich mal in Augenhöhe mit seinen Besuchern. Man kann sich gut vorstellen, dass dieses Projekt noch einige Jahre weitergeführt wird, als Dialog der Stadt mit sich selbst.«
SWR2, 8. April 2019
»Das Projekt Stimmen einer Stadt gehört zu den reizvollsten Ideen, die das Schauspiel Frankfurt unter Anselm Weber ausgeheckt hat, in diesem Fall zusammen mit dem Literaturhaus Frankfurt.[…] Den […] Part meistert er (Anm.: Peter Schröder) mit einem Irrwitz an Konzentration, der Figur drückt er den Schröder-Stempel auf, dessen markantester Bestandteil ein unfassbar offenes und doch hintergründiges Lächeln ist, das sich zum Lachen erweitern kann.«
Frankfurter Rundschau, 8. April 2019
»Branka, die slowenische Wirtin eines Frankfurter Gasthauses, wurde zur markantesten Stimme dieses Theaterabends. Nicht nur mit ihrem charakteristischen Lachen, auch mit ihrer starken Persönlichkeit  begeisterte die Wahlfrankfurterin in Gestalt von Christina Geiße das Publikum.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. April 2019

Bildergalerie

Video

Audio

Kammerspiele

Uraufführungen 06. April 2019
Regie
Anselm Weber

Video und Bühne
Philip Bußmann

Kostüme
Mareike Wehrmann

Musik
Thomas Osterhoff

Dramaturgie
Ursula Thinnes

Besetzung
Peter Schröder, Anna Kubin, Christina Geiße