Foto: Birgit Hupfeld

Darf ich's mir deuten, wie es mir gefällt?

Er ist ein Träumer, ein Liebender und ein Kriegsheld: Prinz Friedrich von Homburg. Einen entscheidenden Befehl des Kurfürsten ignorierend, trägt er in einer Schlacht den Sieg davon. Dessen ungeachtet fühlt sich der Kurfürst verpflichtet, ihn wegen Befehlsverweigerung zum Tode zu verurteilen, was den Widerstand seiner Truppen und seiner Familie hervorruft. Eine allgemeine Meuterei droht. In dieser kriegerischen Wirklichkeit ist der träumende, intuitiv handelnde Prinz ein Außenseiter, der sich entscheiden muss, ob er für den Erhalt der Ordnung oder seines Lebens einsteht. Doch nicht nur der Prinz, auch der Kurfürst, der in einer instabilen, konfliktgeladenen Zeit darüber entscheiden muss, ob Gnade vor Recht, Willkür vor Staatsräson gehen darf, befindet sich in einem komplizierten Dilemma.

Regisseur Michael Thalheimer, seit Beginn der Intendanz von Oliver Reese mit dem Schauspiel Frankfurt fest verbunden (u.a. »Ödipus/ Antigone«, 2009; »Medea«, eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2013), beschäftigt sich nach seiner vielgelobten Inszenierung von »Penthesilea« in der vergangenen Spielzeit ein weiteres Mal mit dem Dichter der inneren Widersprüche und Zerrissenheit: Heinrich von Kleist.

Die Besprechung von Cornelie Ueding in »Kultur heute« auf Deutschlandfunk finden Sie hier.
Pressestimmen
Ein messerscharf konzentrierter Theaterabend, der die Grammatik einer tödlichen Denkfigur durchdekliniert bis zum bitteren Ende.
Deutschlandfunk
Bis zur Verausgabung brillant spielt Felix Rech den Helden, der in diesem Kleist-Stück gänzlich unheldisch daherkommt.
3sat DA DA DA
[…] dieses eine Bild vom Prinzen, wie er allein im Dunkel hängt, oben an kalten Draht gekettet und unter ihm die gähnende leere Gruft, wie er da zappelt, schreit und um sein Leben fleht, das Bild bleibt haften. Brennt sich ein.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Thalheimers Blick auf das Schlachten ist universell, erspart sich den direkten Verweis auf aktuelle Konflikte. Dass der Krieg immer ein dreckiges Geschäft ist, das zeigt er mit mächtigen Bildern.
Die Welt
Wie aus einem Traum – Homburgs anfänglichem Traum von Liebe, Sieg und Ruhm – steigt hier alles auf und verschwimmt vor den Augen, vermischt sich mit der Dunkelheit, dem Nebel, dem horrorfilmtauglichen Gespenstersonaten-Sound von Bert Wrede.
Süddeutsche Zeitung
Im ersten Drittel des Abends tanzt Rech den Prinzen, als entfalte die Wucht der kleistschen Sprache ein Eigenleben im Körper des Schauspielers. Das ist faszinierend und eine jener szenischen Setzungen, mit denen Thalheimer immer wieder überrascht.
Spiegel Online
Thalheimer beweist erneut sein untrügliches Gespür für Sprache und ihren Rhythmus, den das achtköpfige Ensemble kongenial herüberbringt. […] Fast das gesamte Geschehen unterlegt Bert Wrede mit seiner stimmungsträchtigen Musik. Flirrende Töne, die […] bis zur letzten Note die Spannung halten. Das trifft auch auf Thalheimers Inszenierung zu, dem wieder einmal gelungen ist, einen sperrigen Klassiker verständlich und packend für die Bühne aufzubereiten. Das Premierenpublikum […] dankt es ihm und dem gesamten Team mit euphorischem Beifall.
Gießener Allgemeine Zeitung
Mit einem unbarmherzigen Ernst und einer rigiden Strenge, die erzählerischen Mittel schneidend sparsam gebrauchend, hat Michael Thalheimer […] mit »Prinz Friedrich von Homburg« eine monströs spröde Wucht entwickelt.
Offenbach Post
Unter jähem Krachen reißt es die Bühne gänzlich auf. Die Drehbühne unter Homburg versinkt ins Bodenlose und er, emporgerissen, hängt und zappelt als Marionette im weiten Raum über dem Abgrund. Welch ein Bild!
Frankfurter Neue Presse
Thalheimer lässt seinen Schauspielern Raum und Luft – und den Text lässt er sich ebenfalls entwickeln. Er zwängt nichts in ein Format. Und er vertraut auf die Kraft des Stückes: eine Fähigkeit, die vielen Regisseuren in der heutigen Zeit mehr und mehr abhandenkommt.
Main-Echo
Ungemein starke Bilder findet Regisseur Thalheimer auf der bis auf eine gruftartige und verschiebbare Mauer weitgehend kulissenfreien Bühne sowohl für das Kriegsgeschehen wie für die Entehrung und Bestrafung des unbotsamen Prinzen.
Fuldaer Zeitung

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Schauspielhaus

Premiere 4. November 2016

1 Stunde 45 Min., keine Pause
Regie
Michael Thalheimer

Bühne
Olaf Altmann

Kostüme
Nehle Balkhausen

Musik
Bert Wrede

Dramaturgie
Sibylle Baschung

Besetzung
Wolfgang Michael (Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg)
Corinna Kirchhoff (Die Kurfürstin)
Yohanna Schwertfeger (Prinzessin Natalie von Oranien)
Michael Benthin (Feldmarschall Dörfling)
Felix Rech (Prinz Friedrich Arthur von Homburg)
Martin Rentzsch (Obrist Kottwitz)
Stefan Konarske (Graf Hohenzollern)
Alex Friedland (Rittmeister von der Golz)
(Mitglied im SCHAUSPIELstudio)