Foto: Birgit Hupfeld

Ein ganzes Volk glaubte an den Weihnachtsmann.

Noch kaum geboren, erkennt Oskar Matzerath die Welt als universales Desaster – und lehnt sie ab. Einzig die von seiner Mutter versprochene Blechtrommel eröffnet ihm eine akzeptable Überlebensperspektive: die Existenzform als Trommler, ein groteskes Künstlerdasein mit ambivalenten Motivationen und Wirkungen. So beschließt Oskar an seinem dritten Geburtstag, nicht mehr zu wachsen, sondern zu beobachten und zu trommeln. Aus der Froschperspektive schildert er das Aufziehen des faschistischen Denkens und Handelns, berichtet von Ehebruch und Pogromnacht, verknüpft Privatgeschichte mit Zeitgeschichte. Er ist Zeuge, zugleich Außenseiter wie Beteiligter einer Welt, in welcher ein Zivilisationsbruch wie der Holocaust möglich ist.

Nicht schuldig, aber verantwortlich für das Grauen, das in deutschem Namen begangen wurde, hat Günter Grass sich zeitlebens gefühlt. »Die Blechtrommel« ist auch ein Versuch, die Mechanismen der eigenen Verführung durchsichtig zu machen. Trotz aller Kontroversen um den Roman und Nobelpreisträger Günter Grass, gilt der Text bis heute als Meilenstein der deutschen Nachkriegsliteratur. Regisseur Oliver Reese erzählt die Geschichte des ewigen Trommlers in einer ganz auf die Perspektive der Hauptfigur zugeschnitten Fassung.
Pressestimmen
Triumph für den Hauptdarsteller. [...] Also darf Nico Holonics ein darstellerischer Berserker sein, ein Teufelchen im Engelskleid und Engelchen mit teuflisch blauen Augen, ein kalter Zyniker und schlüpfriger Schelm mit Trommelstöcken. Man ist ganz auf der Seite dieses Schauspielers, der greint und grübelt, verführerisch flüstert und größenwahnsinnig schreit.
Süddeutsche Zeitung
Er setzt den Schauspieler Nico Holonics ein und beschert ihm das Solo seines bisherigen jungen Lebens. [...] Ein Schauspielertriumph.
Frankfurter Rundschau
Dem Schauspieler Nico Holonics gebührt Respekt [...]. Auch die mimische Energie, die er auf die Bühne [...] bringt, ist aller Ehren wert: Vom Herumrennen, Stillsitzen, Händeringen, Aufstampfen, Hochspringen, Runterhüpfen bis zum mal diabolischen und mal engelsgleichen Blick aus leuchtend blauen Augen reich das Arsenal.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Oliver Reeses Inszenierung baut ganz auf die Leistung des Darstellers, nimmt sich zurück. Manchmal hört man Geräusche aus dem Off. Die Heil-Rufe einer Parteiversammlung. Einen Falter, der um eine Glühbirne kreist. Dann erklingt eine melancholische Melodica-Musik (von Parviz Mir-Ali). Oder die Lichtstimmung ändert sich. Im Mittelpunkt bleibt immer Nico Holonics. Seine One-Man-Show ist ohne Frage eine Meisterleistung. Das Premierenpublikum dankt es dem Schauspieler mit minutenlangem Beifall, Jubelrufen und Standing Ovations.
Die Welt kompakt
Das Jahr hat kaum angefangen – schon gibt es einen überzeugenden Kandidaten für den Titel »Schauspieler des Jahres«: Nico Holonics vom Schauspiel Frankfurt. Mehr als zwei Stunden lang gehört die Bühne des Großen Hauses ihm allein. Mehr als zwei Stunden lang meistert er einen großen Monolog. Und mehr als zwei Stunden lang fesselt er mit seinem enormen darstellerischen Facettenreichtum das Publikum. [...] Nico Holonics lässt die Brausepulver-Erotik Oskars schäumen. [...] So sinnlich ist Theater selten. 
Die Deutsche Bühne
Ständig hüpft Holonics zwischen den Charakteren hin und her, spielt liebestolle Frauen mit ebensolcher Hingabe wie nazistische Männer mit überzeugend gefährlicher Dämlichkeit, ist mal die bodenständige Großmutter und gleich ein sanfter jüdischer Spielwarenhändler, äfft die Erwachsenen nach und schlüpft zurück in seine Rolle als »Gnom«, verstellt die Stimme und verfällt in Dialekte. Keine Frage: Das ist hohe Kunst.
Spiegel online
Reduktion ist der Schlüssel zu Oliver Reeses theatralischer Übersetzung des Romans. Die Verwandlung von Grass' überbordendem kaleidoskopartigen Werk in eine Art Monodram. Statt auch nur zu versuchen, die Opulenz des Originals nachzuahmen – ein kühner Schnitt: eine Figur, ein Darsteller, eine Perspektive. Oskar Matzerath ist kein Erzähler, sondern in einer rasanten Stationen-Folge ebenso Nach-Spieler wie auch Opfer seiner eigenen Lebensgeschichte. In einem dramatischen Hochseilakt zwischen Identifikation und Distanz, bedrängender Vergegenwärtigungswut und leiser Andeutung gelingt Nico Holonics in einem Atemzug die Entwicklung vom rebellischen Kleinkind und greinenden Balg zum tückischen Strategen.
Deutschlandfunk
Holonics ist zwar schon mehr als 30 Jahre alt, doch die nur 94 Zentimeter, die er vorgibt groß zu sein, bezweifelt man keinen Moment. Dabei spielt er mit teuflisch vibrierender Energie, die dem Größenwahn wie dem Irrsinn der Figur, ihrer Kindsköpfigkeit wie ihren Manien gerecht wird. Mit einem ausgeklügelten Gespür für Rhythmus, Pausen, Tempowechsel gibt er nicht nur Oskar, sondern ist unter vielen anderen der Liliputaner Bebra und die kecke Maria. [...] Dabei gelingt es ihm, Oskar in all seiner Vielschichtigkeit zwischen Psychopath, Terrorist, Gnom, Rebell und Kleinkind zu simulieren. Mal ist er niedlicher Bubikopf, dann spuckender Teenager, mal arroganter Ironiker, dann obszöner Schelm.
Nachtkritik
Am Schauspiel Frankfurt ist es Nico Holonics, einst Shootingstar am Münchner Volkstheater, der die Geschichte des Blechtrommlers Oskar Matzerath in einer furiosen Solo-Performance ganz allein durchlebt. [...] Wie Honocis das anstellt, das ist von seltener Großartigkeit. Mit diebischer Freude zelebriert er Oskars erste Trommelerfolge, wirbelt die Trommelstöcke durch die Luft, die er stets griffbereit im Hosenbund stecken hat, wie andere den Revolver im Pistolenhalfter. Die Menschen, die er damit zur Strecke bringt, werden durch ihn, durch seine anarchische Perspektive von unten akustisch lebendig. [...] Es ist ein Vergnügen Holonics zu erleben.
BR
Günter Grass‘ Blechtrommel als Einmannstück auf der großen Bühne des Schauspiel Frankfurt. [...] Nico Holonics beherrscht sie alle, die Möglichkeiten eines Schauspielers. Zeigt das Zarte, das Kindliche, das ekelhaft Dämonische des kleinwüchsigen Helden, ohne in eine albern One-Man-Show zu verfallen. [...] Nach fast zweieinhalb Stunden Applaus für dieses furiose Solo.
3sat / Kulturzeit

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Schauspielhaus

Premiere 11. Januar 2015

1 Std. 50 Min, keine Pause
Termine
Mi 21.06.2017 19.30 Uhr – 21.20 Uhr
Do 22.06.2017 19.30 Uhr – 21.20 Uhr
Regie
Oliver Reese

Bühne
Daniel Wollenzin

Kostüme
Laura Krack

Musik / Sounddesign
Parviz Mir-Ali

Sounddesign
Joachim Steffenhagen

Dramaturgie
Sibylle Baschung

Besetzung
Nico Holonics