Foto: Birgit Hupfeld
Kleist hat die schönsten deutschen Verse geschrieben. In seinem Eifer, unsere Sprache nach antiken wie französischen Vorbildern im klassischen Drama zu perfektionieren, war er zugleich so modern wie kein anderer. Er ahnte, dass mit dem Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit, diesem Diktum der deutschen Aufklärung, ein für alle Mal das Individuum in eine Überforderung gerät, die wir bis heute empfinden. Seine Helden stolpern über eine Welt, in der sie vergeblich Lebenshalt und -wahrheit im eigenen Ich oder in der Liebe des Anderen suchen. So begegnet Diener Sosias nach fünf Monaten Krieg bei der Heimkehr sich selbst und wird sogar von diesem Ich in die Flucht geschlagen. Ein Mann verführt Alkmene, der ihrem Gatten Amphitryon gleicht, ohne es zu sein. Die Welt wird ein Gebäude aus Flüchtigem und Täuschendem. Es gibt keine Gewissheiten mehr. Wer sind wir? Einer oder viele, welcher oder welche? Nur ein Gott weiß die Antwort. Mit diesem Stück setzte Andreas Kriegenburg seine Arbeit am Schauspiel Frankfurt mit einem seiner liebsten Theaterautoren fort.

Pressestimmen

»Hinreißend spielt Patrycia Ziolkowska, kreisend um die Frage, ob das Menschliche oder Göttliche siegt. […] Hier findet die Antike zu aktuellen Debatten, Darstellung zu wahrhafter Größe, Theater zu sich selbst. Kann man wärmstens empfehlen.«
(3sat Kulturzeit, 12. Februar 2018)
»Eine virtuos konstruierte Scheinwelt, in der echt und falsch, Kopie und Original, Treue und Beliebigkeit ästhetisch reizvoll und existenziell irritierend ineinander fließen.«
(Deutschlandfunk Kultur, 11. Februar 2018)
»Andreas Kriegenburg steigt mit Kleists »Amphitryon« im Schauspiel Frankfurt tief hinab zu den dunklen Schächten der Tragikomödie und lässt seine überzeugenden Akteure leidenschaftlich mit Kleists schönen Versen ringen. [...] Als ungekrönte Herrin über Kleists künstlerisch-geschwungene Sprachgirlanden windet Patrycia Ziolkowska ihren Körper, tanzt und traumwandelt, als wolle sie aus Herz, Leib und Gliedern noch den letzten Tropfen überschäumenden Gefühls herauswringen. […] Auch Friederike Ott lässt ihren Körper virtuos sprechen.«
(Frankfurter Neue Presse, 12. Februar 2018)
»Wie sich mit der Sprache des Stücks umgehen lässt, das wiederum führen die Frauen hörenswert vor: Patrycia Ziolkowska spürt Alkmenes Worten versonnen und zweifelnd nach. Friederike Ott wiederrum bringt als Charis Kleist kurios zum Klingen, als wäre Micky Maus eine Magd bei Molière. Und dabei offenbart die scheinbar völlig vergrübelte Dichtung einen Wortwitz, den man sonst überhört.«
(Darmstädter Echo, 13. Februar 2018)
»Die Schauspielerinnen und Schauspieler sprechen Kleists wahrlich nicht leicht konstruierte Blankverse so wunderbar kunstvoll, melodisch und (mikroportverstärkt) verständlich, dass es eine Lust ist, ihnen zuzuhören. Und das will was heißen! Chapeau!«
(Strandgut, April 2018)

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Schauspielhaus

Premiere 9. Februar 2018

3 Stunden, eine Pause
Regie
Andreas Kriegenburg

Bühne
Harald B. Thor

Kostüme
Andrea Schraad

Dramaturgie
Marion Tiedtke

Besetzung
Max Simonischek (Amphitryon)
Patrycia Ziolkowska (Alkmene)
Friederike Ott (Charis)
Fridolin Sandmeyer (Jupiter)
Christoph Pütthoff (Sosias)
Sebastian Reiß (Merkur)