War es Vergnügen an der Ironie oder die Lust an einer Beziehungstragödie antiken Ausmaßes, die Goethe 1808 mit einem empirischen Versuch aus der Chemie auf sein Liebesquartett aus den Wahlverwandtschaften anwendete? Wenn a + b mit c + d konfrontiert wird, entstehen zwei neue Bindungen, falls deren Affinitäten zueinander stärker sind. So trennen sich in Goethes Roman das Ehepaar Eduard (a) und Charlotte (b) und gehen mit Ottilie (c) und Otto (d) jeweils neue Paarungen ein. Dem nicht genug: Im letzten Liebesakt zwischen Charlotte und Eduard wird ein Kind gezeugt. Man sucht nach einer Lösung und endet in einer tödlichen Katastrophe. Goethe untersucht die Beziehungsfähigkeit von Menschen untereinander und zur Natur und führt damit das Scheitern von Kontrolle und scheinbaren Gesetzmäßigkeiten vor. Das Kräfteverhältnis von Freiheit und Notwendigkeit steht zur Disposition: Besteht Liebe auf freiem Willen? Wieviel Naturzwang steckt in ihr? Was ist mit dem eigenen Bedürfnis nach Lebendigkeit?
Schauspielhaus

Premiere 07. November 2020