Er sei feige, sagen einige. Gefühllos, andere. Geldgierig. Geil. Warum? »Weil ich Jud bin«, sagt Andri. Aber eigentlich haben die Bürger_innen des Zwergenstaates Andorra gar nichts gegen ihn. Beim Wirt arbeitet er als Küchenjunge. Beim Tischler im Verkauf. Der Lehrer hat ihn bei sich aufgenommen wie einen Sohn. Die Lehrertochter Barblin heiraten, das darf Andri nicht – weil es nicht geht, sagt der Lehrer. Aber sonst ist Andri wie einer von ihnen. Fast. Dann, über Nacht, fallen die Schwarzen ins Land. Treiben die Andorraner zusammen zur Judenschau. Wer keiner ist, hat nichts zu befürchten. Nur der Jude ist dran. Und der Lehrer, in seiner Angst, sagt allen die Wahrheit: Andri ist sein leiblicher Sohn, der Halbbruder Barblins. Andri ist kein Jude. Spielt das eine Rolle? »Plötzlich bist du so, wie sie sagen«, sagt Andri. »Das ist das Böse.« Max Frischs berühmte Parabel handelt vom Judenhass als Alltäglichkeit. Sie zeigt die Mechanismen der Ausgrenzung und Dehumanisierung, die am Anfang aller Gewalt stehen. Damit ist das Stück heute von bestürzender Aktualität.
Schauspielhaus

Premiere 09. Oktober 2020
Regie
David Bösch

Bühne
Patrick Bannwart

Kostüme und Video
Falko Herold

Dramaturgie
Alexander Leiffheidt