Ibsens Held ist ein Gottesgläubiger, der dieser Welt kompromisslos den Spiegel vorhält. Der Egoismus der Menschen einerseits und die Doppelmoral der Kirche andererseits: Alles prangert dieser Prediger an und will die Menschen zum »richtigen Leben« führen. Doch sein Glaube entpuppt sich mehr und mehr als Fanatismus, sodass er seiner Mutter wegen ihres Geizes keinen Trost in der Todesstunde entgegenbringt, sein eigenes Kind zugunsten eines großen Kirchenbaus in der eiskalten Bergwelt sterben lässt und seine Frau in den Tod treibt, weil sie die letzten Kleider ihres toten Sohnes abgeben muss. Was aber kann die Welt noch retten? Der Glaube ist mehr als ein Willensakt, das Heil ist nur durch Liebe zu erreichen – das ist die göttliche Botschaft in Brands letzter Stunde. Das dramatische Gedicht, von Hinrich Schmidt-Henkel in eine heutige Prosafassung übersetzt, lotet aus, wie der Mensch Krieg mit sich selbst führt durch einen unbändigen Willen, der »alles oder nichts« fordert und sich damit nur selbst zerstört.
Schauspielhaus

Premiere 12. Oktober 2019
Regie
Roger Vontobel

Bühne
Olaf Altmann

Kostüme
Ellen Hofmann

Musik
Keith O`Brien

Dramaturgie
Marion Tiedtke