Foto: Felix Grünschloß
»Ich hab noch nicht einen einzigen Sklaven in Katar g’sehn.« Mit diesem Zitat hat Franz Beckenbauer die Haltung vieler Menschen im Westen auf den Punkt gebracht. Immerhin: Nach über 200 Jahren Kampf gegen die Sklaverei ist sie heute in allen Ländern der Erde per Gesetz verboten. Und trotzdem ist sie überall zu finden. Sklaverei ist zu einem zentralen Baustein globaler Ökonomie geworden und versorgt uns hier im Westen mit einer überbordenden Vielfalt an Produkten und Dienstleistungen: Kleidung, Kosmetik, Elektronik, Lebensmittel, Altenpflege, Fußballweltmeisterschaften ... Wir alle konsumieren diese Produkte tagtäglich, obwohl wir uns der Produktionsbedingungen und Ausbeutungsstrategien dahinter sehr wohl bewusst sind. Oder sein müssten. Konstantin Küspert hat ein Kaleidoskop der unterschiedlichen Perspektiven geschrieben, in dem er die Mechanismen selektiver Wahrnehmung von unserem westlichen Lebensstandard analysiert und dechiffriert – ebenso, wie die andere Seite der westlichen Moderne, nämlich den engen historischen Zusammenhang von europäischem Kolonialismus, Massensklavereien, Imperien und Kapitalismus. 

Ein Auftragswerk im Rahmen der Frankfurter Positionen 2019 – eine Initiative der BHF Bank Stiftung.

Pressestimmen

»In seinen Text hat Konstantin Küspert viele Themen und Debatten hineingepackt. Es geht um die Frage nach kolonialer Raubkunst, um den noch immer exotisierenden Blick der Ethnologie, um die "Green Washing"-Taktiken der Konzerne. Es geht um die Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken und um die Sorge, dass die Digitalisierung der Prekarisierung weiter Vorschub leisten wird. […] Doch trotz dieser Themenfülle wirkt sein Stück weder überfrachtet noch theorielastig – woran die auf starke, verdichtete Szenen setzende Inszenierung von Jan-Christoph Gockel sicherlich einen wichtigen Anteil hat. Kämpferisch, aber dabei nie zu plakativ ist das Stück – so würde man sich politisches Theater häufiger wünschen.«
Nachtkritik.de, 27. Januar 2019
»[…] In kaleidoskopartigen anderthalb Stunden geht es quirlig um Ausbeutung und die Muster dieser Ausbeutung, um Rollenklischees vom „Schwarz“- und „Weiß“-Sein, beiläufig auch – befördert durch liebevoll gestaltete Kostüme des Ausstatters Amit Epstein – um die Auflockerung von Gendergrenzen durch Männer in Rüschenröcken oder alle in Unisexstramplern. […] «
Frankfurter Rundschau, 28. Januar 2019
»[…] Aber das ist nicht einfach nur ein weiterer quick-vitaler Theaterabend. Das auch, ja, mit vielen knalligen Szenen und bunten Kostümen und tollen Schauspielern und mitunter einem technoiden Wumms. Aber man verlässt ihn – nach dem einhellig […] begeisterten Applaus bei der Premiere nachdenklich. […] Es gelingt Stück und Inszenierung, den Blick zu schärfen. Das ist viel.«
Frankfurter Neue Presse, 28. Januar 2019
»In den Kammerspielen des Schauspiel Frankfurt wird mit Konstantin Küsperts Rechercheprojekt „sklaven leben“ kein plumpes Thesen- und Belehrungstheater geboten, sondern eine atmosphärisch dicht inszenierte und vor allem bildmächtige Performance. […] Amit Epsteins Kostümzauber schillert zwischen Fantasy-Comic und stylischer Modenschau, während zu einem ebenso breiten wie bunt collagierten Soundteppich die Bewegungsabläufe des sechsköpfigen Ensembles choreografiert werden. Jan-Christoph Gockel sorgt als Regisseur für eine tanztheatralische Dynamik, die der letztlich doch recht ausufernden Fakten- und Gedankensammlung Tempo, Drive und ein starkes Rhythmusgefühl geben.«
die-deutsche-buehne.de, 27. Januar 2019
»[…] Man verlässt das Theater jedenfalls mit dem Gefühl, es sich vor dem nächsten Einkauf lieber dreimal zu überlegen, wie viel Konsum es braucht. Und das ist für einen Theaterabend eine beachtliche Leistung. Dass er darüber hinaus deutlich macht, dass eine Solidarisierung mit den Ausgegrenzten auch deshalb geboten wäre, weil sich der Spieß für etliche derzeit privilegierte Europäer sonst irgendwann tatsächlich umdrehen könnte („Wo sind meine Privilegien hin?“, fragt Christoph Reiss am Ende entgeistert) ist ein weiteres Verdienst.«
Allgemeine Zeitung Mainz, 28. Januar 2019
» […] Das Faszinierende an diesem Abend ist, neben der hervorragenden schauspielerischen Leistungen (mit vielen Kostümwechseln), dass viele unterschiedliche gesellschaftspolitische Themen angesprochen werden, der Abend aber sehr homogen und nie belehrend wirkt, dafür kurzweilig und äußerst unterhaltsam (auch wenn die eigene „Schuld“ einem stets im Nacken sitzt). Jan-Christoph Gockel hat es auch hier wieder geschafft, ein Stück lebensnah zu vermitteln.«
kulturfreak.de, 28. Januar 2019

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Kammerspiele

Uraufführung im Rahmen der Frankfurter Positionen 26. Januar 2019

ca. 1 Stunden 30 Minuten, keine Pause
Termine
Sa 30.03.2019 20.00 – 21.30
Evtl. Restkarten an der Abendkasse
Sa 27.04.2019 20.00 – 21.30