Salon vor der Französischen Revolution / Bunker nach dem dritten Weltkrieg – in diesem dystopischen Raum-Zeit-Gefüge lässt Heiner Müller die Marquise de Merteuil und ihren ehemaligen Geliebten Valmont aus dem Briefroman »Gefährliche Liebschaften« von Choderlos de Laclos aufeinandertreffen. Der dekadenten Welt einer dem Untergang geweihten Aristokratie entsprungen, rühmen sich die beiden rivalisierenden Figuren einer radikal amoralischen Vernunft. Ihre zynische Absage an die Moral setzt sich mit einer bürgerlichen Ordnung auseinander, die Gut und Böse klar unterscheiden zu können glaubt. Die Aufklärungskritik nimmt in Quartett die Form grausamer sexueller Intrigen an: Merteuil trägt Valmont auf, er solle ihre jungfräuliche Nichte Volanges verführen, ihn aber interessiert die Entehrung der gottesfürchtigen Gattin Madame de Tourvel mehr. Im Verlauf des Stückes übernehmen die beiden alle Rollen eines Theaters auf dem Theater: Valmont spielt sich selbst und die Rolle der Tourvel, Merteuil spielt Valmont und die Nichte Volanges. Einem tödlichen Begehren nach der Überwindung der Getrenntheit als diskontinuierliche soziale Wesen entspringen sexuelle und moralische Grenzüberschreitungen. Ihr obszönes Spiel befragt Geschlechteridentitäten und die Binarität der tradierten Geschlechterordnung, aus der sie sich nicht zu befreien vermögen.

Der serbische Regisseur Miloš Lolić arbeitet nach seiner vielbeachteten Inszenierung von Elfriede Jelineks »Am Königsweg« mit »Quartett« zum zweiten Mal am Schauspiel Frankfurt.
Kammerspiele

Premiere 24. Januar 2020
Termine
Fr 24.01.2020 20.00
Evtl. Restkarten an der Abendkasse
So 02.02.2020 18.00
Mo 03.02.2020 20.00
Evtl. Restkarten an der Abendkasse
So 23.02.2020 18.00
Evtl. Restkarten an der Abendkasse