Foto: Birgit Hupfeld

Lutsch nicht am Daumen, sonst kommt der Schneider mit der Scher. Das Kind lutscht am Daumen, da kommt der Schneider mit der Scher. Daumen ab.

Der Frankfurter Arzt und Psychiater Dr. Heinrich Hoffmann schrieb zu Weihnachten 1844 für seinen dreijährigen Sohn Carl den von ihm selbst illustrierten »Struwwelpeter«, weil er nirgendwo ein Buch fand, das ihm für ein Kind dieses Alters passend erschien. Bis heute gehört es zu den erfolgreichsten deutschen Kinderbüchern und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Ob Daumenlutscher, Zappel-Philipp, Hans Guck-in-die-Luft oder Suppenkaspar – in fast jedem Kopf sind diese Figuren präsent und obwohl sich im Laufe der Jahre Erziehungsmethoden radikal verändert haben, gibt es noch heute Eltern,
die ihren Kindern mit diesen Geschichten die Augen öffnen wollen.

Rainald Grebe entwickelt und inszeniert seine eigenen Theaterstücke u.a. am Maxim Gorki Theater Berlin, am Schauspiel Leipzig, am Thalia Theater Hamburg, am Schauspiel Köln und an der Berliner Schaubühne. Er begeisterte in der vergangenen Spielzeit Presse und Publikum gleichermaßen mit seinem melancholischen Theaterabend »Frankfurt«. Diesmal schaut er zwischen die Bilder und Knüttelreime dieses pädagogischen Klassikers, um diese Geschichten zum Leben zu erwecken. Ein Abend für Erwachsene.


Pressestimmen
Diese ganz und gar großartige Inszenierung der Episoden aus dem Kinderbuch-Klassiker und zahlreicher eingestreuter dokumentartheatralischer, musikalischer, tiefenpsychologischer, buchkundlicher und anderer Szenen hält sich sehr genau an den »Struwwelpeter«. [...] Grebe gewinnt den bitterernst gemeinten, mahnenden und warnenden Geschichten Hoffmanns derart viel Witz ab, dass sich ihr erzählerisches Potential so recht entfalten kann, während das moralische im Lächerlichen verfliegt. [...] Unbedingt sehenswert.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Am aberwitzigsten und zugleich erhellendsten aber wird der Abend, wenn Rainald Grebe selbst unzählige absurde Struwwelpeter-Adaptionen präsentiert, etwa einen Schwuchtelpeter oder andere Kuriositäten. Das ist dann Rainald Grebe, wie man ihn von der Kabarettbühne kennt.
SWR2
Auch »Struwwelpeter« ist eine gut aussehende Revue. Nach dem Schattenspiel öffnet sich eine schneeweiße Spielfläche mit etlichen Überraschungsklappen, aus denen Figuren und Dinge treten, springen, ploppen können. Farbe gibt es dabei nur für Haut und Haar und die Kostüme […] aus dem Hoffmannschen Bilderbuch. […] In Spielszenen wird nach und nach das Bilderbuch durchschritten. Den Suppenkaspar spielt Paula Skorupa in einem melodramatischen Stummfilm. Paulinchens Tod ist ein fabelhaftes Kammerkonzert mit geigenden Solistinnen und Katzenchor.
Frankfurter Rundschau
In einer äußerst amüsanten Art setzt Grebe die als bekannt vorausgesetzten Geschichten mit diversen szenischen Mitteln um. Das beginnt mit einem Schattenspiel, es geht über in ein Kasperletheater mit Menschen und Puppen.
Offenbach-Post
In seinem poetisch-absurd-komisch-expressionistisch-surrealistischen Bilderreigen verquickt der Regisseur Schattenspiel, Puppenspiel, Kasperletheater, Stummfilm, Schauspiel und Musik, lässt fröhlich die Zeiten und Ebenen aufeinanderstoßen, indem er Heutiges, (Nach-)Kriegszeit und Hoffmanns-Zeit mischt, Soziologisches, Dokumentarisches und Fiktionales verquirlt oder diverse »Struwwelpeter«-Fassungen und -Übersetzungen präsentiert.
Frankfurter Neue Presse
Sein [Rainald Grebe] zweistündiges Bühnenstück ist eine so temporeiche wie gewitzte Mischung aus Schauspiel, Konzert, Kabarett und Komik, in die jedes einzelne Kapitel des Bilderbuchs auf eigene Weise Eingang findet.
Fuldaer Zeitung
Dann öffnet sich die Bühne wie ein weißes Blatt Papier […] und Massen an Frankfurter Laienspielern, alle in Struwwelpeterkostümen, vier Klaviere, jede Menge Notenständer und ein stets durch die Kulissen hüpfender »Hans-Guck-in-die-Luft« […] bevölkern die Szene.
Gießener Allgemeine Zeitung
Es ist eine riesige Revue aus starken Bildern.
Main-Echo
Dem Ensemble gelingen hübsch bizarre Bilder, etwa der Aufmarsch vieler Struwwelpeters und -petras, die statt Lockenpracht Buchsbaumhecken auf den Köpfen tragen.
Wiesbadener Kurier
Es ist viel Klamauk dabei, klar, bei diesem Stoff. Mehr noch Gaudi. Aber eben oft doch ein bisschen mehr. Christoph Pütthoff etwa, der in einigen Rollen über die Bühne hampelt, präsentiert in einer großartigen Weise einige der unzähligen Fassungen und Übersetzungen dieses unverwüstlichen Kinderbuches.
Faustkultur

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Schauspielhaus

Uraufführung 4. Juni 2016

2 Stunden, keine Pause
Regie
Rainald Grebe

Bühne
Jürgen Lier

Kostüme
Kristina Böcher

Musikalische Leitung
Jens-Karsten Stoll

Dramaturgie
Claudia Lowin

Chor
und Margot Divé, Franz Erb, Marga Hildebrandt, Ute Leinert, Maria Niesen, Thomas Röhl, Manfred Thomas, Wolfgang Schreiber sowie Sean Balzereit, Pia Baris, Liam Engel, Fabiana Förch, Clara Geadah, Paul Herolz, Edward Jumatate, Theodor Landes, Mascha Mais, Alexandra Marquardt, Laura Pratsch, Leonhard Rieß, Louisa Scheiner, Paula Rebecca Süß, Lea Wiedenhofer

Besetzung
Gaby Pochert, Christoph Pütthoff, Nino Sandow, Jens-Karsten Stoll, Yodit Tarikwa, Till Weinheimer