Foto: Birgit Hupfeld

Die Gene unsres Bluts, sie sind kaputt, verklebt, verbraucht, verwässert und verschwunden.

Elisabeth Lear steht an der Spitze eines weltweit agierenden Großkonzerns. Mit unnachgiebiger Strenge hat sie über Jahrzehnte hinweg das Familienunternehmen geleitet. Jetzt, alt und müde geworden, beschließt sie, die Geschicke des Unternehmens in die Hände ihrer drei Söhne zu legen. Einzige Bedingung: Alle drei müssen einen Eid auf die Liebe zu ihrer Mutter schwören. Ausgerechnet Cornald, der Jüngste und Elisabeths Liebling, entzieht sich dem verlogenen Wettstreit. Erbost über sein Verhalten, verstößt sie ihn und setzt damit eine fatale Ereigniskette in Gang, an deren Ende der Untergang des eigenen Imperiums und ihrer Familie steht. Der belgische Autor Tom Lanoye hat Shakespeares berühmtes Drama »König Lear« überschrieben und es in die Kreise heutiger Hochfinanz verlegt. Lanoye zeigt den Kampf um Macht und Geld als innerfamiliäre Zerreißprobe, mit am Ende verheerenden Folgen für Menschen und Märkte.

Nach seiner als »großes Theater und großes Kino« (Die Deutsche Bühne) gefeierten Inszenierung von »Endstation Sehnsucht« inszeniert Kay Voges, seit 2010 Intendant am Schauspiel Dortmund, zum zweiten Mal in Frankfurt. Mit »Königin Lear« setzt er seine Arbeit an der Schnittstelle von Theater und Videokunst fort.

Pressestimmen
Elisabeth Lear […] wird verkörpert von der phänomenalen Josefin Platt. Diese Schauspielerin hat Magie, sie verleiht den Zornesausbrüchen ihrer Figur unmittelbare Wucht, rührt durch Zartheit, besticht durch sarkastischen Witz und macht die knapp zweistündige [...] Aufführung zum unvergesslichen Abend.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
In Kay Voges‘ Frankfurter Inszenierung ist ein schwarzer, sich […] verengender Guckkasten Ort des Geschehens, dessen Wände mit eindrucksvollen Videoanimationen bespielt werden: Büroturmlandschaften, Nachrichtenbilder oder einfach nur ein Gitternetz aus Leuchtstreifen. In der Sturmszene […] beginnt dieses Netz derart zu wabern, dass der ganze Raum in Bewegung zu geraten scheint. Eine Welt aus den Fugen – ein wahrlich irrer Effekt.
SWR
»Königin Lear«in Frankfurt, das ist die grandiose, in Demenz zerlaufende […] Urmutter, deren Sturz tatsächlich eine Welt mitreißt. Josefin Platt spielt das großartig. […] Das Premierenpublikum zeigt sich begeistert.
Die Zeit
Die Aktien schwanken durchaus jambisch, so dass Shakespeares treibendes Versmaß auch in modernsten Zeiten seinen Platz findet.
Frankfurter Rundschau
Tom Lanoye hat diese fabelhafte »Königin Lear« geschrieben, und Josefin Platt hat sie gespielt […] – eine saftige, heutige Shakespeare-Überschreibung, lebensklug, sprachwitzig und poetisch.
Nachtkritik
Das Bedrängende an Stück und Aufführung ist das unsichtbare, aber grauenhafte Grinsen des Systems, das noch seine bestverdienenden Sklaven als Blinde offenbart, denen es an nichts fehlt, an Durchblick sehr wohl. […] Platts Königin war nicht in der Heide, sondern im zugigen Moloch der Riesenstadt umhergeirrt, das Verwackeln der Lichtgitter erzeugt die Illusion eines vibrierenden, haltlosen, zuckenden Universums. […] Starker Beifall, tosender gar für Josefin Platt.
Neues Deutschland
Am Ende gab es für die bissige und mit grotesken Zügen umgesetzte gelungene Neugestaltung von Lear stürmischen Applaus […].
Kulturfreak
Dieser Spielzeitauftakt ist sattes, aus dem Vollen geschöpftes Theater. Ein großes Vergnügen in all seiner drastischen Ernsthaftigkeit.
Offenbach-Post
Zu Recht werden am Ende Autor, Regieteam und Schauspieler mit Bravos und rhythmischem Klatschen gefeiert.
Gießener Allgemeine Zeitung
Ein ebenso intensiver, verstörender, aber auch witziger und poetischer Abend über Familienbande und Finanzen, Macht und Angst.
Mannheimer Morgen

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Schauspielhaus

Deutschsprachige Erstaufführung
10. September 2016

2 Stunden, keine Pause
Termine
So 29.01.2017 18.00 Uhr – 20.00 Uhr
Mo 30.01.2017 19.30 Uhr – 21.30 Uhr
Regie
Kay Voges

Bühne
Daniel Roskamp

Kostüme
Mona Ulrich

Musik
Paul Wallfisch

Video
Robi Voigt

Dramaturgie
Michael Billenkamp

Besetzung
Josefin Platt (Elisabeth Lear)
Peter Schröder (Robert Kent, Lears rechte Hand)
Viktor Tremmel (Gregory, Lears ältester Sohn)
Lukas Rüppel (Hendrik, zweitältester Sohn)
Carina Zichner (Cornald, jüngster Sohn)
Franziska Junge (Connie, Gregorys Frau)
Verena Bukal (Alma, Hendriks Frau)
Owen Peter Read (Oleg, Lears Pfleger)
Mitglied im SCHAUSPIELstudio