Foto: Birgit Hupfeld

Wie viele Sprachen du sprichst, so oft mal bist du ein Mensch.

Türme, die in den Himmel gebaut werden, demonstrieren Macht und grenzenlose Potenz. Doch die Geschichte des ersten Bauprojektes, der »Turmbau zu Babel«, ist eine Verfehlungsgeschichte. Das Streben der Menschen nach göttlicher Allmacht führt darin zur Verblendung und wird bestraft mit sprachlicher Verwirrung, dem Ende der Koordination der Menschen untereinander. Sprache begrenzt Verständigung und ist gleichzeitig die Grundlage für Geschichten, für Lebensgeschichten und Geschichten von Grenzen und Visionen. Identitäten vielsprachig finden und neu erfinden, davon handelt dieses Projekt mit jungen Menschen, die ihre identitätsstiftende Heimat verlassen mussten, und solchen, die hier aufgewachsen sind. Es ist auch ein Spiel um Lebensentwürfe jenseits der Grenzen des Machbarkeitsdiktats. Welche gemeinsamen Sprachen lassen sich dabei finden?

Nach »All Inclusive« (eingeladen zum 25. Bundestreffen »Jugendclubs an Theatern«) und »Freiraum« setzen Martina Droste und Chris Weinheimer ihre Zusammenarbeit mit einem neuen Projekt für das Bockenheimer Depot fort. Chris Weinheimer ist freischaffender Musiker, Komponist, Performer und Regisseur. Martina Droste ist seit 2010 Leiterin des Jungen Schauspiel Frankfurt.

»Frankfurt Babel« ist eingeladen zum 37. Theatertreffen der Jugend 2016 in Berlin.
Pressestimmen
Als Martina Droste und Chris Weinheimer mit der Arbeit an ihrem Projekt »Frankfurt Babel« begannen, gab es noch keine »Flüchtlingskrise«. Nun haben die Leiter des Jungen Schauspiels den Jugendclub des Schauspiels Frankfurt unter dem Titel einer biblischen Erzählung mit jungen Flüchtlingen zusammengeführt. Babel, ein Ort in Mesopotamien, dem Land zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris, dem wir unsere Kultur verdanken, steht in der jüdisch-christlichen Überlieferung für Sprachverwirrung und Zerstreuung der Völker als Strafen für menschliche Anmaßung.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Parallel zur biblischen Geschichte vom Turmbau, eine Beziehung zur Stadt der Türme behauptend, dokumentiert das revuehaft, dabei klar und mit ruhiger Hand strukturierte Stück den Versuch zum Finden einer gemeinsamen Sprache und eines gemeinsamen Standpunkts. [...] Einnehmend unaufdringlich und fern der Klischees. Das Unterfangen, das sich Droste und Weinheimer vorgenommen haben, ist gleichsam eine kleine, nicht repräsentative Studie mit den Mitteln des Theaters. Das geht auf.
Frankfurter Rundschau
Eine schlagend einfache theatrale Anordnung. Ein leerer Raum mit wenig mehr als einigen Musikinstrumenten. 15 Jugendliche treten als sie selbst in Erscheinung, fast die Hälfte von ihnen kommt aus Flüchtlingsunterkünften der Stadt. Resultierend aus einem gemeinsamen Rechercheprozess sprechen sie von Wünschen und Hoffnungen, beruflichen wie privaten Plänen, von der Haltung zur eigenen Situation und regionalen politischen Verhältnissen. Ausgespart bleiben ganz bewusst die Geschichten um ihre Flucht. [...] So ernsthaft wie amüsant ist dieses Stück. Die Struktur ist ungeachtet einer fragmentierten und collagierten Form klar und ruhig.
Offenbach-Post
Droste und Weinheimer gestalteten diese Gruppenperformance abwechslungsreich und dynamisch. Auf einer Bodenplatte wird von allen, entsprechend ihrer Herkunft und Träume, eine Weltkarte skizziert, die auch ihre Vielfältigkeit widerspiegelt. Dann verlassen sie die Erde und fliegen der Sonne entgegen, um schließlich ihren bisherigen Standort zu verlassen, die Erde mit ihren Grenzen gewissermaßen auflösen und mit Spannung ihren weiteren Weg entgegensehen.
Kulturfreak

Bildergalerie

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Kammerspiele

Premiere 29. November 2015

1 Std. 10 Min., keine Pause