Foto: Birgit Hupfeld

Lügen, Lügen, innen wie aussen, nichts als Lügen!

Blanche DuBois, eine verblassende und zerrüttete Frau aus den Südstaaten der USA, flüchtet sich zu ihrer Schwester Stella nach New Orleans. In ihrem Gepäck: der Verlust ihres elterlichen Anwesens, der Tod geliebter Menschen, Affären und Trunksucht – und kein einziger Heller mehr. Doch in der beengten Zweizimmerwohnung, in der sich Stella mit ihrem Mann Stanley Kowalski eingerichtet hat, kommt es schnell zu Spannungen. Während Blanche noch ihren Illusionen und Hoffnungen nachhängt, sinnt Stanley auf ihre Entlarvung und Zerstörung... Der Konflikt beginnt mit der präzisen psychologischen Beschreibung einer Paranoikerin, ihrer inneren Zerrissenheit und Flucht in eine Traumwelt und offenbart bald ein Schauspiel von alptraumartiger Intensität: Unter der Decke des realistischen Stils regt sich eine dämonische Realität.

Der Dortmunder Schauspieldirektor Kay Voges, der seine Karriere als Filmregisseur begann, findet für Tennessee Williams’ Spiel mit Wirklichkeit und Illusion, Tatsachen und Träumen, leinwandgroße Bilder.
Pressestimmen
Dass Videotechnik auf Theaterbühnen zum Einsatz kommt, ist heute längst zum Normalfall geworden – so intensiv, so dominant wie Kay Voges setzt sie aber wohl kein anderer Theaterregisseur ein. In seiner Inszenierung von »Endstation Sehnsucht« sorgt dasfür jede Menge starke und spektakuläre Momente. [...] Dieser Theaterabend ist besonders, entdeckenswert.
Die Welt kompakt
Man glaubt ihr die Lügen und den Moment, in dem die Lügen aufhören, und man glaubt ihr die Verzweiflung, gerade weil sie hineingepflanzt worden sein muss in diese Frau, die ihr Selbstbewusstsein noch nicht vergessen hat und an der alles Pose ist.
Frankfurter Rundschau
Wann hat man zuletzt so tief in eine zarte, schwer gedemütigte Seele geblickt? Tennessee Williams’ Meisterwerk »Endstation Sehnsucht« ist im Schauspiel Frankfurt großes Theater und großes Kino zugleich. [...] In Frankfurt lässt Stephanie Eidt durch ihren mitreißenden, feinnervigen und hoch konzentrierten Einsatz die legendären Vorläuferinnen fast in Vergessenheit geraten.
Die Deutsche Bühne
Blanches Geschichte samt ihren schönen Träumen von der Wirklichkeit bilden das Zentrumdes Stücks, wobei sich Blanche und Stephanie Eidt gleichermaßen als große Tragödinnen erweisen, im Leben wie im Irrsinn. [...] Es wird live gefilmt und live geschnitten. Jeder Abend wird also anders werden, die Flüchtigkeit des Augenblicks bleibt gewahrt, so wie sich das fürs Theater gehört. Dabei inszeniert Kay Voges das Stück als ungeheuer handfeste und kraftvolle Sozial- und Seelenstudie fernab jedweder Südstaatenromantik.
taz
[...] mit einem erstklassig präparierten Ensemble, unter Verzicht auf jegliche »aktualisierende« Aufpropfung. Stephanie Eidt, das starke Zentrum der Aufführung, zeichnet die Blanche DuBois, die sich in ihrem Glücksverlangen ohne Halt verfängt, mit der wechselfiebrigen Präsenz einer psychisch wie sozial abgestürzten Diva.
Offenbach-Post
Regisseur Kai Voges, Intendant in Dortmund, macht aus dem Stück großes Breitwandkino. Stephanie Eidt in der Hauptrolle ist großartig. [...] Zwei Kameramänner verkürzen die Distanz des Publikums im Zuschauerraum zum Geschehen. Sie drängen dem Betrachter ebenso mächtige wie intime Bilder geradezu auf. Das hat man zuletzt zwar schon häufiger auf Theaterbühnen erlebt. In Frankfurt indes entfaltet es eine ungeheure Wucht. Überwältigt, benommen beinah, verlässt man nach gut zwei pausenlosen Stunden das Theater. [...] Eine außerordentliche Ensemble-Leistung, die den enthusiastischen Beifall des Publikums verdient. Aber auch eine spannende Inszenierung von ungeheurer Intensität, die den Zuschauer fordert und keinen Augenblick aus ihrem düsteren Sog entlässt. Ein starker, sehenswerter Theaterabend. Großes Kino.
Frankfurter Neue Presse
Hat die Südstaaten-Slumtragödie von Tennessee Williams noch etwas zu sagen? [...] Was soll fesseln an einem »kochendheißen« Slum im New Orleans von einst, wo zwei Südstaatenladies gestrandet sind und sich mitanderen Losern der Wirtschaftskrise zu arrangieren suchen? Eine Antwort ist das Talent des Tennessee Williams für vielschichtig flirrende Figuren mit beklemmend charaktervollen Abgründen. Frankfurts Schauspieler nutzen diese Vorgabe für grandiose Leistungen: Überragend Stephanie Eidt als Blanche. [...] Nicht enden wollender Applaus.
Frankfurter Allgemeine Zeitung

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Schauspielhaus

Premiere 6. Dezember 2014

ca. 2 Std. 15 Min., keine Pause
Regie
Kay Voges

Bühne
Daniel Roskamp

Videoart
Daniel Hengst

Kostüme
Mona Ulrich

Musik
T.D. Finck von Finckenstein

Dramaturgie
Hannah Schwegler

Besetzung
Stephanie Eidt (Blanche)
Claude De Demo (Stella)
Oliver Kraushaar (Stanley)
Viktor Tremmel (Mitch)
Susanne Buchenberger (Eunice)
Ralf Drexler (Steve)
Maximilian Meyer-Bretschneider (Pablo)
Alexander Dumitran (Ein Arzt)
Jele Disgo (Eine Krankenschwester)
Maximilian Meyer-Bretschneider (Ein junger Kassierer)
Huanita Gonzales (Eine Mexikanerin)
Jos Diegel, Alexander Dumitran (Live-Kamera)
Daniel Hengst, David Wesemann (Live-Video-Schnitt)