Foto: Birgit Hupfeld

Was lässt euch glauben, willkommen zu sein?

Alex und seine Gang stürzen sich auf ihren nächtlichen Streifzügen durch die Stadt auf wehrlose Opfer – aus purem Spaß. Grundlose Lust an Gewalt und Zerstörung verstört unsere Gesellschaft anhaltend. Die Lösung, die Anthony Burgess in seinem Kultbuch aus dem Jahre 1962 durchspielt, ist ebenso effektiv
wie bedrohlich nah an gegenwärtigen Möglichkeiten: Was spricht dagegen, Gewaltbereitschaft einfach medizinisch zu unterbinden, wenn es machbar ist? Im Gefängnis wird Alex einer Gehirnwäsche unterzogen, die ihm seine Aggressionen austreibt, und anschließend wieder in der Welt ausgesetzt: als funktionierende Stütze der Gesellschaft oder als – ja, als was? Ist ein Mensch ohne Entscheidungsfreiheit noch ein Mensch? Oder ist der freie Wille sowieso nur eine Illusion? Was sind wir bereit, der Sicherheit zu opfern? Wohin mit dem ganzen Aggressionspotenzial, das von Natur aus in uns steckt?
Regisseur Christopher Rüping und sein fünfköpfiges Ensemble erproben dieses unerbittliche Experiment auf der großen Bühne im Schauspielhaus.

»Clockwork Orange« ist nach »Der große Gatsby« (2011), »Woyzeck« (2012), »Dekalog« (2013) u.a. die fünfte Inszenierung von Christopher Rüping am Schauspiel Frankfurt. Er arbeitet außerdem regelmäßig am Thalia Theater Hamburg, am Deutschen Theater Berlin und am Staatstheater Stuttgart. 2015 erhielt der Dreißigjährige seine erste Einladung zum Theatertreffen in Berlin.
Pressestimmen
Immer wieder reichen zwei Assistenten, die mit ihren rosa Perücken unverkennbar an Kubricks Film-Fassung erinnern, kleine Schälchen mit Häppchen durch die Reihen. Während auf der Bühne auf brutalste Weise gemordet wird, essen wir. So gelingt es Rüping immer wieder, uns zu Komplizen des Gewaltpornos zu machen, der Anthony Burgess' Text immer auch ist. Dabei bleibt durch die Fokussierung auf die Versuchsanordnung den ganzen Abend eine Frage im anatomischen Raum: Was macht Alex zu einem bösen Menschen − und was unterscheidet ihn von den Zuschauern, die das Spektakel zum Zeitvertreib verfolgen? [...] Der Abend funktioniert bereits erschreckend gut mit seiner Interpretation des Burgess-Romans als Versuchsaufstellung, die auch diejenigen Zuschauer verführt, die letztlich mit Vergnügen der Schilderung des Helden Alex folgen.
Deutschlandradio Kultur
Jan Breustedt fokussiert mit hochgradiger Präsenz die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf seinen Alex zwischen Uhrwerk und Mensch. Alexander und Alex – sie verkörpern das Postulat der Willensfreiheit und das Bedürfnis nach Sicherheit vor der Willkür des Psychopathen.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Droogs, die mehrstimmig und tadellos »Kein schöner Land in dieser Zeit« singen. Es sind die Alleskönner Vincent Glander, Torben Kessler, Felix Rech, Lukas Rüppel, die die Rollen fließend tauschen. Dazu kommt erst kurz vor der Pause Jan Breustedt, Mitglied des Schauspielstudios, als junger Alex; von ihm wird erheblicher körperlicher Einsatz vor allem bei minutenlangem Würgen erwartet. Denn man versucht in »Clockwork Orange«, dem Gewalttäter die Gewalt auszutreiben, indem man ihn zu Speiübelkeit konditioniert, sobald er auch nur Böses denkt.
Frankfurter Rundschau
Ein fulminanter Darsteller [...], der diesen zum Guten konditionierten Alex gibt: Jan Breustedt, junger Schauspieler aus dem Nachwuchs-Ensemble des Schauspiels, muss man sich unbedingt merken! Eine dramatische Urgewalt vom ersten Auftritt an. Da steckt er in einem Glaskäfig, und während irgendwelche Mediziner über ihn dozieren, schlägt er immer wieder mit dem Kopf gegen diese Glasscheibe, und das geht einem durch Mark und Bein als Zuschauer. Man spürt physisch, was für eine gewaltige Energie in dieser Figur steckt. [...] Jedem ist klar, was für eine Kraft, was für eine Energie unter dieser zwanghaft ruhiggestellten Oberfläche lauert. Und  diese Spannung, die verkörpert Jan Breustedt von Anfang bis Ende. [...] Viel mehr kann ein Theater eigentlich kaum leisten. Ich finde, das waren drei eindrucksvolle Stunden Theater am Samstag und ich würde sagen: Unbedingt sehenswert!
hr2 Frühkritik
Die vier, mal nur lauernden, dann unglaublich aufgespeedeten Schauspieler Vincent Glander, Torben Kessler, Felix Rech und Lukas Rüppel als Professoren-Gang verleihen der reinen Beschreibung des Animalischen und Bösen eine wahnwitzige Kraft. Denn es geht hier tatsächlich um die Abgründe der Menschheit. Um die pure Lust an der Gewalt, die gar nichts Berechnendes hat, die kein gesellschaftliches Ziel verfolgt, die nur Bedürfnisbefriedigung ist, die nur der Langeweile entspringt und dem Ekel vor der Welt der Etablierten und Erwachsenen.
Deutschlandfunk
Es geht um den freien Willen. Kann der Mensch, in diesem Fall: kann der englische Jugendliche Alex sich aus freien Stücken zum Guten entscheiden, oder ist er ein triebgesteuertes sadistisches Wesen, das weggesperrt und umerzogen gehört? Der Regisseur Christopher Rüping beugt sich in einer Art Auditorium, einem Anatomischen Theater wie ein Naturwissenschaftler über den interessanten Casus. Vier Professoren tragen vor: aus dem Leben eines Gewalttäters.
SWR2
Regisseur Christopher Rüping, der diese Herausforderung für das Frankfurter Schauspiel im Bockenheimer Depot angenommen hat, erweist sich dabei als geschickt. Er umgeht die Darstellung der härtesten Verbrechen der Droogs erst einmal, indem er die entsprechenden Textpassagen vorlesen lässt. Vier Wissenschaftler (Vincent Glander, Torben Kessler, Felix Rech, Lukas Rüppel) nehmen dafür, in Anzug und Krawatte, an einem Tisch mit Mikrofonen Platz. Sie stellen durch das Selbstzeugnis eines kranken Gewalttäters (Burgess’ Roman ist in Ich-Form erzählt) dessen Fall dem Publikum vor und machen es zu Komplizen bei einem moralisch zweifelhaften Experiment: Der Versuchsperson soll mittels einer Tablette die Freude am Verbrechen, aber damit auch die eigene Handlungsfreiheit genommen werden. [...] Das Spektakel funktioniert überraschend gut. Vereinzelte im Publikum lassen sich so sehr hineinziehen, dass sie selbst zu handelnden Tätern werden.
Frankfurter Neue Presse
Regisseur Christopher Rüping zieht bei seiner Inszenierung von Anthony Burgess’ »Clockwork Orange« im Bockenheimer Depot viele Theater-Register und bleibt der Geschichte dennoch erfreulich treu. [...] Interessanterweise unmittelbar aus der Form der Lesung heraus entwickelt Thorben Kessler in der Rolle eines traumatisierten Schriftstellers, dessen Frau sich als Folge einer Vergewaltigung selber umgebracht hat, unmittelbar beklemmende Momente. Burgess ist es aber nicht primär um das Phänomen der Gewalt gegangen als vielmehr um die Erwägung einer ethischen Frage, Rüping folgt ihm.
Offenbach-Post

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Schauspielhaus / Bühne

Premiere 7. Mai 2016

3 Stunden, inkl. Pause
Termine
Di 20.06.2017 19.30 Uhr – 22.15 Uhr
Regie
Christopher Rüping

Bühne
Jonathan Mertz

Kostüme
Lene Schwind

Musik
Christoph Hart

Dramaturgie
Sibylle Baschung

Besetzung
Jan Breustedt, Mitglied im SCHAUSPIELstudio, Vincent Glander, Torben Kessler, Felix Rech, Lukas Rüppel