Foto: Birgit Hupfeld

Es ist eine Täuschung, ich weiß, doch sie schmerzt.

Erst am Tag als seine Frau Alkestis stirbt, beginnt Admetos zu begreifen, was geschehen ist. Nicht ihr, sondern Admetos war der frühe Tod bestimmt. Retten konnte ihn, der seinem Land Wohlstand gebracht hatte, nur ein Handel des Apollon: Würde sich jemand finden, der an Admetos’ Stelle zu sterben bereit wäre, dann dürfte er weiterleben. Aber niemand wollte das Opfer bringen, auch die Eltern wollten dem Sohn kein zweites Leben schenken. Und nun ist es ausgerechnet Alkestis, die Mutter seiner Kinder, die ihr Leben für ihn opfert.

Übersetzt und bearbeitet hat Euripides’ Drama der englische Schriftsteller Ted Hughes. Seine »Alkestis« ist geprägt von Hughes’ persönlicher Lebensgeschichte: 1963 nahm sich seine Frau, die amerikanische Dichterin Sylvia Plath, das Leben. Schonungslos nüchtern ist die Sprache, in der Hughes die Erfahrung des Todes erkundet. Doch zugleich verhilft seine Bearbeitung dem betrunkenen Herakles, der schließlich Alkestis aus dem Totenreich zurück nach Hause holt, zu einem überraschenden Auftritt, zu einem Spiel im Spiel zwischen Traum und Wirklichkeit. Es ist dieses Spiel mit den Grenzen des Bewusstseins, von dem aus die Regisseurin Julie Van den Berghe das Stück ergründen will.

Julie Van den Berghe, geboren 1981, studierte Regie in Amsterdam und gilt als eine der wichtigsten jungen belgischen Regisseurinnen. Sie inszenierte u.a. am NT Gent, am Frascati in Amsterdam und an der Toneelgroep Amsterdam. Daneben hat Van den Berghe in den letzten Jahren künstlerisch bestechend eigenwillige Inszenierungen mit ihrer Gruppe »Stormvogels « im Compagnietheater Amsterdam auf die Bühne gebracht, darunter ihre bemerkenswerte Interpretation von Kafkas »Das Schloss«. Ab Januar 2017 wird Julie Van den Berghe Künstlerische Leiterin des Noord Nederlands Toneel Theater Groningen.

Gefördert im Rahmen von »Schauspiel Frankfurt International« von der
Pressestimmen
Ein Stück mit sehr, sehr starken Bildern, die ständig zwischen Tragödie und Trash […] hin und her toben. Das sind zum Teil Bilder, die einem den Atem rauben. […] So eindrucksvoll habe ich das Sterben auf der Bühne noch nie erlebt und noch nie gesehen.
hr2 Frühkritik, Alf Mentzer
Ihr Gesicht ist wie das von Admetos eine schwärende Wunde, ihr Kleid […] ein stacheliges Korsett aus Plastikfesseln. Ihre Worte aber sind die eines Menschen, der kerngesund ist und weiß, dass er gleich stirbt. Markerschütternd gelingt die Szene, in der Tremmel sie holen kommt […].
Frankfurter Rundschau
Dennoch gelingt es Peter Schröder einen handfesten Vater-Sohn-Konflikt auf die Bühne zu stemmen: Pheres wirft seinem verwöhnten und feigen Sohn die Schuld am Tod der Königin vor. Admetos wiederum kann nicht verstehen, warum seine abgelebten Eltern sich nicht für die Schwiegertochter geopfert haben. Dies ist die zweite Szene, bei der einem der Atem stockt.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Das ist keine inszenatorische Willkür, die eigentümliche Bildfantasie ist sinnfällig aus dem Text heraus entwickelt, die Sprache kommt zur Geltung, die Aufmerksamkeit bleibt Szene um Szene gespannt – ein ausgesprochen ansehnlicher Theaterabend.
Offenbach Post
Die Regisseurin Julie Van den Berghe inszeniert »Alkestis« von Ted Hughes nach Euripides […] als beziehungsreiche und revueartige Versuchsanordnung.
Nachtkritik
Es gibt diese Szenen, die schmerzen, die vom Wahnsinn erzählen. Szenen, in denen Gewalt, Tod und Sexualität verschmelzen. Wenn Paula Hans als Königin Alkestis den Körper dehnt, wenn sie sich verrenkt und in die Höhe streckt. Wenn die Körper aneinandergeraten, wenn man nicht mehr auseinanderhalten kann, ob diese Liebenden sich nun gerade beißen oder küssen.
Die deutsche Bühne
Die Frankfurter Aufführung bleibt konsequent in ihrem bizarren Zwischenreich und tankt zwischen Eros und Thanatos dunkle Triebkraft. »Alkestis« ist ein Bühnendelirium auf Brettern, die eine Welt bedeuten, in die man niemals stürzen möchte. Außer im Theater, da ist es ein Erlebnis.
Darmstädter Echo
Man kann griechische antike Sagen trocken reklamieren – und alles schläft ein. Man kann es aber auch so machen wie die Regisseurin Julie van den Berghe […] und aus dem dramatischen Stoff zwei Stunden zaubern, die sogar ein junges Publikum in die Theatersessel drücken […]. Es ist großartig, was dann aus einem solchen Stoff werden kann.  [Das Stück] hat es verdient, von vielen nicht nur gesehen, sondern vor allem geliebt zu werden.
Main-Echo
Die belgische Regisseurin Julie Van den Berghe […] hat ein auf den ersten Blick schrill und grotesk anmutendes Spektakel gezaubert, das aber trotz aller äußeren Effekte und optischen Verstörungen großes Schauspiel bietet und unter die Haut geht.
Kulturfreak

Bildergalerie

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Kammerspiele

Deutschsprachige Erstaufführung
9. Dezember 2016

2 Stunden, keine Pause
Termine
Mo 10.04.2017 20.00 Uhr – 22.00 Uhr
So 16.04.2017 20.00 Uhr – 22.00 Uhr
Sa 20.05.2017 20.00 Uhr – 22.00 Uhr
Sa 27.05.2017 20.00 – 22.00 Uhr
So 28.05.2017 18.00 – 20.00 Uhr
Regie
Julie Van den Berghe

Bühne
Lucas Devriendt

Kostüme
Maison The Faux (Joris Suk und Tessa de Boer)

Musik
Berny Kloos

Dramaturgie
Stephan Wetzel

Besetzung
Nico Holonics (Admetos, König von Thessalien)
Paula Hans (Alkestis, Königin von Thessalien)
Björn Meyer (Herakles, stärkster der Götter, ein alter Freund des Admetos)
Peter Schröder (Pheres, Vater des Admetos)
Justus Pfankuch (Apollo, Gott der Musik und der Medizin)
(Mitglied im SCHAUSPIELstudio)
Viktor Tremmel (Der Tod)
Heidi Ecks (Die Mutter / Chor)
Virginia Goldmann (Sängerin)