Foto: Sebastian Hoppe

Ich liebe, rasend, über alles mass.

Eine brennende, verzehrende Liebe steht am Beginn der Geschichte, die von Verleumdung, Rache, Mord und überschäumenden Gefühlen erzählt. Phädra, Frau des Königs von Athen, ist verliebt in ihren Stiefsohn Hippolytos. Als sie erfährt, dass ihr Mann in der Fremde gestorben ist, gesteht sie dem Sohn diese verbotene Leidenschaft. Hippolytos aber weist sie zurück, seine Liebe gehört Aricia. Eine verbotene Liebe auch dies, denn Aricia besitzt Ansprüche auf den Thron und wird deshalb von Hippolytos’ Vater gefangen gehalten. Doch die Schraube dreht sich weiter, der tot geglaubte Vater und Ehemann kehrt zurück: Ein Feldzug der Vergeltung und des Sterbens beginnt.

Racine, der Vollender der klassischen Tragödie und Protegé Molières, griff mit »Phädra« auf Euripides’ Tragödie »Hippolytos« zurück. Der Geschichte von Eros und Askese fügt er ein weiteres Spannungsfeld hinzu: Er lässt die extreme Gefühlswelt der Figuren auf eine strenge und harte Versform prallen, obsessive Leidenschaft auf gedankliche Schärfe und Genauigkeit. Seiner Heldin Phädra, hoch aufschäumend, gleichzeitig in untröstlichem Liebesverlangen tief niedersinkend, verleiht Racine die Intelligenz, ihre Schuld unbarmherzig analysieren und verurteilen zu können. Das Ergebnis: Liebe als Ursprung von Gewalt und unbändigem Hass, maßlos in jeder Hinsicht.

Oliver Reese, Intendant des Schauspiel Frankfurt, aber auch Autor und Regisseur, brachte zahlreiche Dramatisierungen (»Berlin Alexanderplatz«, »Lolita«) und Stücke nach biografischen Texten auf die Bühne (»Bartsch, Kindermörder«, »Emmy Göring an der Seite ihres Mannes«). Zuletzt inszenierte er »Der Mann ohne Eigenschaften« und »Ritter, Dene, Voss« am Deutschen Theater Berlin.
Pressestimmen
Frankfurts Schauspiel-Glück. […] Stephanie Eidt ist eine von Leidenschaften bespielte Frau, ein kalt glühender Vulkan und eine Gestrandete im Netz des Begehrens […]. Reese entfaltet die Tragödie mit einer derartigen mathematischen Präzision, dass man sitzt, staunt und keine Chance hat, sich [...] zu entziehen.
Süddeutsche Zeitung
Großartige Schauspieler […], [die] sich den Figuren ins Herz spielen. […] Stephanie Eidt spielt das Tollwütige, Unbeherrschte, Zerstörte der Figur nicht als hysterische Explosion. Sondern als unbegreifliche Implosion.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Aus Emphase wird […] eine Struktur der Leidenschaft. […] Allein aus der Frage der Berührung, wer von diesen in ihrem Unglück Gefangenen berührt wen wann und wie, macht Oliver Reese eine eigene Aufführungsschicht. Wie Oenone, Phädras Vertraute, wunderbar eigennützig, ängstlich, wachsam gespielt von Franziska Junge, an Phädras nacktem Abendkleidarm entlang streicht, ohne ihn zu berühren, versonnen, berechnend, zärtlich zugleich, das ist ein großer Moment kleiner Gestik, eine überraschende und überzeugende Übersetzung Racines in eine heutige Kunstform.
Frankfurter Rundschau
Konzentriertes, intensiv leuchtendes Schauspielertheater, das die mörderische Liebesraserei der streng gefügten Alexandriner zum Vibrieren bringt.
Deutschlandradio Kultur
Die Frühkritik von hr2-kultur zu »Phädra«
Ein Podcast von www.hr2-kultur.de

Bildergalerie

Kammerspiele

Premiere
12.12.2009

1 Std. 45 Min., keine Pause
Regie
Oliver Reese

Bühne
Hansjörg Hartung

Kostüme
Elina Schnizler

Dramaturgie
Nora Khuon

Besetzung
Stephanie Eidt (Phädra)
Paula Hans (Aricia)
Franziska Junge (Önone)
Christoph Pütthoff (Hippolytos)
Felix von Manteuffel (Theramenes)
Till Weinheimer (Theseus)
Carina Zichner (Panope)