Foto: Hugo Glendinning
Auf einer nackten, hell erleuchteten Bühne gibt eine Truppe trauriger Clowns alles, um miteinander klarzukommen und die Zeit totzuschlagen. Ein altes Musikstück läuft  in Dauerschleife – die Musik passt nicht, aber niemand scheint sich darum zu scheren. Sie proben alte Gags, verstricken sich in neue, vergessen, dass irgendetwas passiert ist, erinnern sich dann wieder und vergessen erneut. Sie streiten sich und jagen einander, anfallsartig, chaotisch, ungelenk, kommen dann wieder zur Ruhe und warten ab, bis die ganze Hektik von vorne losgeht.

Sorgsam unausgewogen, zwischen Humor und Humorlosigkeit oszillierend, ist »Out Of Order« von Forced Entertainment die Ruine eines Stückes in den Ruinen einer Welt. Gewalt und Posen, Streiche und lustige Kapriolen mit Gruppenakrobatik gehen über in Zank, Erschöpfung, Hunger, Melancholie und Schweigen. Die Uhr tickt. Die Musik schwillt immer wieder an. Und alles führt zu nichts.

2016 erhielt Forced Entertainment als erste Kompanie, nach Vorgängern und Vorgängerinnen wie Peter Brook, Heiner Goebbels und Ariane Mnouchkine, den »International Ibsen Award«, einen der weltweit renommiertesten und höchst dotierten Theaterpreise. Ihre jüngste, vom Mousonturm koproduzierte Arbeit »Real Magic« wurde 2017 zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

»Out Of Order« ist eine Produktion von Forced Entertainment. Eine Koproduktion von Künstlerhaus Mousonturm im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien zusammen mit Schauspiel Frankfurt sowie mit PACT Zollverein Essen, HAU Hebbel Am Ufer Berlin und Gessnerallee Zürich. Präsentiert im Rahmen der intergenerationalen Vermittlungsinitiative ALL IN – FÜR PUBLIKUM JEDEN ALTERS, gefördert durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst



Pressestimmen

»In sechs Bildern unter sechs Neonröhren zeigen sie eine stumme Abhandlung über Sinn und Unsinn des Theaters und des Lebens. Über das Älterwerden und die Vergeblichkeit. Und nebenbei zeigen sie mal wieder, dass es nichts Schöneres gibt, als tollen Schauspielern beim Nichtstun zuzusehen. […] Die formalen Setzungen sind konsequent, die wenigen Mittel gut eingesetzt. […] „Out of order“, […] meint den Menschen an sich, der permanent scheitert: an sich selbst, am anderen, am Alter. Körper prallen als ungelenke Biomasse aufeinander. Ob man sich jetzt aufrafft, einen Witz zu machen, oder nicht – es geht ja doch alles weiter wie zuvor. Die Lage ist ausweglos wie in einem Beckett-Stück, allerdings komischer.«
(Süddeutsche Zeitung, 30. April 2018)
»[…] ein seltsam gleichförmiges, ein unerklärlicherweise doch faszinierendes Spektakel […]. Es ist ein stiller und ein gelegentlich lauter Abend, ein kurzer und ein langer, ein manchmal lustiger, ein wortloser und an Atmosphäre reicher.«
(Frankfurter Rundschau, 30. April 2018)
»Die Darsteller Robin Arthur, Nicki Hobday, Jerry Killick, Richard Lowdon, Cathy Naden und Terry O´Connor spielen die Sinnlosigkeit mit einer Akkuratesse, die Beckett ohne Text, Clowns ohne Tricks, Aggression ohne Gewalt zusammenspannt. […] Was Theater zu leisten imstande ist, testen vermutlich wenige so erfolgreich wie Forced Entertainment. […] Dass sie sich immer wieder neu erfinden, das Theater immer wieder auf seine Möglichkeiten befragen, gehört zum Phänomen Forced Entertainment, und obwohl so viele das behaupten, ist es dennoch bei dieser Truppe nie banal und nie Klischee gewesen. […] Zeigen Forced Entertainment doch unentwegt und buchstäblich erschöpfend, wie Routinen unterwandert und Sicherheiten aufgelöst werden. Trotzdem lachen wir. Der Mensch an sich ist schrecklich, aber hübsch komisch dabei.«
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. April 2018)
»„Out of Order“ spielt mit den Erwartungen des Theaterbesuchers, es widersetzt sich den Gewohnheiten. Im ersten Moment wirkt es so, als ob die Inszenierung sich nicht entwickeln würde, als ob nichts passieren würde, aber das stimmt natürlich nicht. Runde für Runde variiert der Kampf, verändert sich das Geschehen mindestens in Nuancen, kehrt nur immer wieder zum Anfang zurück. […] Es ist erstaunlich, wie gut das funktioniert, wie das Immergleiche, das nur in Details variiert, interessant, ja: faszinierend bleibt. Man folgt den Darstellern, man bleibt an ihnen hängen.«
(nachtkritik.de, 28. April 2018)
»Eine große Rolle in der Arbeit von Forced Entertainment und dem Regisseur Tim Etchells spielt der Humor – und sein ungleicher Bruder, die Melancholie. […] Immer gibt es einen wutschnaubenden Aggressor und dessen gejagtes Opfer, andere greifen schlichtend ein. Ausgesprochen amüsant ist das. […] In jedem Fall ist das ein weiterer wunderbarer Wurf der ewigen Darlings der Theateravantgarde.«
(Offenbach Post, 30. April 2018)
»Theater ohne auch nur ein Wort. Ohne Handlung. Ohne Individuen – Und es bewegt sich doch. – Und es bewegt! Und wie!«
(Deutschlandfunk - Kultur heute, 1. Mai 2018)
»Eine Feier des Abwegigen, in der die Verletzung der Regel den Takt vorgibt. Herrlich albern in seiner Verweigerungshaltung und berührend in seinem Wiederholungszwang. [...] „Out of Order“ gebiert dabei immer wieder wunderbare Glanzlichter. Oft sind es bloß einzelne Verrenkungen und Augenblicke, kindische und tierische, die mal abgrundtief traurig, mal sonnig daherkommen.«
(taz, 1. Mai 2018)

Bildergalerie

Video

Bockenheimer Depot

Uraufführung 27. April 2018
Künstlerische Leitung
Tim Etchells

Produktion
Forced Entertainment