Foto: Birgit Hupfeld

Der Tanz des Lebens ist der Tanz des Todes

»Iphigenie« ist eine blutrünstige Familiengeschichte, in der getötet und gelogen wird. Die Familie ist mit einem Fluch belegt und so scheint es, als könne man gar nicht anders, als Mord und Totschlag zu praktizieren. Iphigenie selbst soll, um gute Winde für die Schlacht um Troja zu gewinnen, geopfert werden. Nur durch einen Trick – ein Tier wird statt dem jungen Mädchen geschlachtet – entkommt sie und dient Artemis fortan auf der Insel Tauris als Priesterin. Doch auch dort, an Iphigenies nächster Station, geht es blutrünstig zu: Dem Brauch zufolge werden allen auf der Insel ankommenden Fremden die Köpfe abgeschlagen. Und auch der Vater, Agamemnon, wird sogleich bei seiner siegreichen Heimkehr nach der Schlacht um Troja von seiner Frau und ihrem Liebhaber getötet. Orest, Iphigenies jüngerer Bruder, tötet darauf die Mutter. Blut fließt durch die Geschichte.
 
Der Iphigenie-Mythos wurde durch die Jahrtausende immer wieder neu erzählt. Johann Wolfgang von Goethe, Gerhart Hauptmann, Euripides oder Rainer Werner Fassbinder nahmen sich zu jeder Zeit unterschiedlicher Aspekte an und interpretierten die Geschichte neu. Auch Ersan Mondtag hat sich für diesen Theaterabend mit dem Iphigenie-Mythos auseinandergesetzt und seinen eigenen Zu- und Ausgang erfunden. Gemeinsam mit seinem Bühnenbildner Stefan Britze und dem Komponisten Max Andrzejewski schafft er für das Schauspiel Frankfurt eine musikalische, bildgewaltige und weitgehend nonverbale Neu-Erzählung des Stoffes.
 
Die Arbeit soll Weiterentwicklung und Fortsetzung seiner Beschäftigung mit der Antike, die er in Frankfurt mit »Orpheus#« begonnen hat, werden.

 
Im Rahmen der Goethe Festwoche 2016 gefördert von
Pressestimmen
Ein dramatisches Wutbürgerplakat der umgekehrten Art.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Am stärksten wirkt das Finale: eine mit finsterer Entschlossenheit skandierte Litanei gegen die Furcht vor dem Fremden […].
Deutschlandradio Kultur
Mondtags Auseinandersetzung mit dem »Iphigenie«-Stoff hinterlässt Bilder, die sich ins Gedächtnis brennen und eigene Assoziationsräume öffnen.
Theater der Zeit
Es ist unklar in seiner Botschaft und in seinen Bildern, man will darüber nachdenken. […] Und das ist schon mal eine Qualität von Kunst, dass sie einen dann doch irgendwo trifft und irritiert.
hr2
Es ist eine bildstarke Verkettung mystischer Verweise, die vielleicht manchmal zu enigmatisch mit ihren Bild- und Textquellen umgeht […] – aber großen Raum für Assoziationen öffnet.
Süddeutsche Zeitung
Was er [Mondtag] in Frankfurt heuer liefert, ist eine Choreografie der Assoziationen. Mit starken stilisierten Bildern, exzessiven Ausbrüchen des Körperlichen, […] mal kammermusikalisch tragisch umflorter, mal souliger Musik, viel Theaterdonner, spritzendem Wasser und einem Minimum an Text. […] Den Zuschauern bleibt am Ende des 70-minütigen Abends das Erschrecken über die Nähe dieser Hassaufrufe zu dem, was heute durch die (a)sozialen Netze rauscht oder der deutschen Kanzlerin entgegengeschleudert wird. So gesehen wird Mondtags »Iphigenie« […] noch hochpolitisch. Trotz vieler offener Fragen.
Der Standard
Mondtags Bilder haben Sogwirkung, berühren einen, greifen einen an, es herrscht ein andauernder Moment der Bedrohung.
Die Welt
Sinnlich. Wuchtig. Schön, überwältigend.
Frankfurter Neue Presse
Ersan Mondtag lässt die Grenzen des Sprechtheaters hinter sich. Aus dem Geist und mit den Mitteln der Antike […] schöpft er eine zeitgenössische Bühnenkunst von eindrücklicher formaler Strenge. Die Bilder sind in ihrer Dringlichkeit stark.
Offenbach-Post
Streitbar ist diese Inszenierung, denn einen eigenwilligen Zugang zur Iphigenie hat Ersan Mondtag […] in jedem Fall gefunden […].
Die Deutsche Bühne
Eine handwerklich großartig gemachte, musikalisch untermauerte, nonverbale Performance in einem beeindruckenden Bühnenbild.
Kulturfreak

Bildergalerie

Audio

Kammerspiele

Uraufführung 9. September 2016

1 Stunde 15 Min., keine Pause
Regie
Ersan Mondtag

Bühne
Stefan Britze

Kostüme
Raphaela Rose

Musik
Max Andrzejewski

Dramaturgie
Sabrina Zwach

Besetzung
Jan Breustedt, Sina Martens
(Mitglied im SCHAUSPIELstudio)
Björn Meyer, Yodit Tarikwa, Sylvana Seddig, Kathrin Wehlisch
Jamie Ritts, Angelika Meixner, Beatrix Freidank (Statisten)