Foto: Jessica Schäfer

NICHTS KANN RÜCKGÄNGIG GEMACHT WERDEN, WAS EINMAL GEDACHT WURDE.

In einem verschwiegenen Städtchen in der Westschweiz, vor verträumtem Alpenpanorama, liegt ein kleines Sanatorium, »Les Cerisiers«, das sich ausschließlich der Pflege von Privatpatienten widmet. Doch so freundlich schweizerisch das alles daherkommt – bei den Patienten handelt es sich um gefährliche Verrückte: Newton, Einstein, Möbius. Drei geniale Physiker, oder besser: drei Personen, die glauben, sie seien geniale Physiker. Sie sind in der so genannten »Villa« des Sanatoriums untergebracht. Denn sie haben noch eine weitere Gemeinsamkeit: Sie verlieben sich in ihre Krankenschwestern, dann bringen sie sie um. Das führt zu polizeilichen Ermittlungen, die der Leiterin des Sanatoriums, Fräulein von Zahnd, gehörig lästig fallen. Denn naturgemäß sind Todesfälle in der Therapie von Schwerstverrückten eine Normalität. Oft sogar ein Therapie-Erfolg. Und nicht allein die Physiker, auch Fräulein von Zahnd hat gewisse Geheimnisse, die sie ungern an das Licht der Öffentlichkeit gezerrt sähe. Aber so etwas ist in der Schweiz ja auch normal. Und am normalsten ist, dass die Verrückten im verträumten Sanatorium klarer sehen als irgendjemand in der Welt da draußen, welches das entscheidende Problem der Menschheit im 21. Jahrhundert ist: dass wir uns nicht dümmer stellen können als wir sind. Und dass unsere Klugheit doch nicht ausreicht, die Zerstörungskraft unserer eigenen Gedanken zu verstehen.

Dürrenmatts Stück aus dem Jahre 1962 wird inszeniert von Markus Bothe, der am Schauspiel Frankfurt Regie geführt hat bei »Roter Ritter Parzival« (ausgezeichnet mit dem Faust-Preis 2010) und »Ein Sommernachtstraum«. Bothe arbeitete in Basel, Hamburg, Hannover, Stuttgart, Freiburg und Bremen, außerdem an Opernhäusern in Wiesbaden, Berlin, Wien und Washington.
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Pressestimmen
Der prächtige Teil ist Traute Hoess als Mathilde von Zahnd. Kupferrot glänzt ihr Haar, perfekt sitzt Alexandre Corazzolas Kostüm, das alles Dralle, Fidele, Adrette an ihr appetitlich betont. Und wenn sie schmallippig lächelt, gleichmütig daherredet, nachlässig posiert, sich auf der Kommodentreppe bequem hinsetzt oder Einstein an ihrem Busen einschlafen lässt, wird das Abgebrühte, Ausgebuffte, Zynisch-Abgelebte, wahrscheinlich Verrückte und wirklich Böse sicht-, hör- und spürbar, um das es hier geht.
Frankfurter Rundschau
Bothes Darsteller bringen reichlich Slapstick und Galgenhumor am Abgrund mit (…) und verweisen indes auf Tieferes unter der Oberfläche.
Frankfurter Neue Presse
Jetzt hat Markus Bothe am Schauspiel Frankfurt Dürrenmatts Komödienklassiker »Die Physiker« inszeniert und sich vom Bühnenbildner Robert Schweer eine Salonwelt bauen lassen, die auf dem Kopf steht: (…) Schweers skurriler Salon ist zweifellos das Beste des Abends. Er hat die Bühne deutlich verkleinert und so einen Raum geschaffen, der an Anna Viebrock und Alice im Wunderland erinnert und das Klaustrophobische der Situation sichtbar macht.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Hinreißende Schauspielerleistungen bis in die kleinsten Nebenrollen hinein und eine spektakulär verrückte Bühne (…).
Giessener Allgemeine Zeitung
Die Dinge solange drehen und wenden, bis sie dem Betrachter klarer vor Augen treten als je zuvor: Das ist eine der vornehmsten Aufgaben des Theaters. Umso schlüssiger erweist sich der Regieeinfall von Markus Bothe, die Verhältnisse in Dürrenmatts Irrenhaus im Wortsinne gleich komplett umzudrehen. (…) Eine leichthändige Adaption mit einem gut aufgelegten Ensemble und vielen schönen inszenatorischen Ideen (…).
Fuldaer Zeitung
Markus Bothe verzichtet auf vordergründige Modernisierung. Seltsam entrückt wirkt seine Inszenierung, gleich einem Schwank auf dem Volkstheater. Und wie geschmiert laufen die eineinhalb Stunden der Aufführung ab. Viel Situationskomik ist im Spiel, die vom famosen Ensemble ausgekostet wird. Traute Hoess als Anstaltsleiterin Mathilde von Zahnd hat glänzende Momente nahe am Wahnsinn, Claude de Demo verausgabt sich über die Maßen als Oberschwester Marta Boll. Zwischen Brutalität und Unbedarftheit schillert Sascha Nathans Beutler/Newton, und Thomas Huber gibt als Ernesti/Einstein die Karikatur des Irren mit vollem Körpereinsatz. Andreas Uhses Möbius glüht vor Leidenschaft, Michael Benthin ist als Kriminalinspektor ein kühler Gegenpart.
Offenbach Post
Markus Bothe inszeniert einen äußerst vergnüglichen kurzweiligen Abend, staubfrei, sehr musikalisch.

Wertung: Sehr gut.
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Schauspielhaus

Premiere
29.10.2011

1 Std. 20 Min., keine Pause
Regie
Markus Bothe

Bühne
Robert Schweer

Kostüme
Alexandre Corazzola

Musik
Kornelius Heidebrecht, Igor Kirillov

Dramaturgie
Andreas Erdmann

Besetzung
Gaby Pochert (Fräulein Doktor Mathilde von Zahnd)
Paula Hans (Marta Boll, Oberschwester)
Martin Rentzsch (Richard Voss, Kriminalinspektor)
Sascha Nathan (Herbert Georg Beutler, genannt Newton)
Till Weinheimer (Ernst Heinrich Ernesti, genannt Einstein)
Max Mayer (Johann Wilhelm Möbius)
Heidi Ecks (Frau Missionarin Lina Rose / Irene Straub, Krankenschwester)
Lukas Rüppel (Missionar Oskar Rose / Uwe Sievers, Oberpfleger / Polizist Blocher)
Yuriy Sych, Igor Kirillov (Musiker)