Foto: Birgit Hupfeld

Soll eine Idee nicht vernichten dürfen, was sich ihr widersetzt?

Die Französische Revolution als Paradebeispiel dafür, wie klein doch der Schritt vom kollektiven Ruf nach Veränderung über die ersehnte Neuordnung der Gesellschaft hin zur totalitären Struktur ist. So wurde aus der angestrebten »Freiheit« Anarchie, aus »Gleichheit« Willkür und aus »Brüderlichkeit« Neid und Missgunst. Entsprechend eindeutig antwortet darum auch Georg Büchner in seinem Drama »Dantons Tod« auf die Frage, was auf den Sturz des Tyrannen folgt: »Die Revolution frisst ihre eigenen Kinder«. Deshalb wird aus dem Volkshelden Danton von seinen Widersachern, allen voran dem kalten Moralisten Robespierre, der Volksfeind Danton gemacht, weil er nicht länger gewillt ist, der Guillotine neuen Nachschub zu liefern.

Nach seinem formstrengen »Wilhelm Meister« im Bockenheimer Depot ist der für seine theatralen Chorprojekte bekannte Regisseur Ulrich Rasche wieder Gast am Schauspiel Frankfurt.
Pressestimmen
Ulrich Rasche ist bekannt für seine monumentalen Inszenierungen. Das Frankfurter Schauspielhaus bietet dem Regisseur dafür eine geeignete Bühne. Und er hat sie genutzt. [...] So wuchtig hat man seit Einar Schleef keinen Chor mehr in Frankfurt skandieren hören, so unermüdlich ist hier seitdem kein Ensemble marschiert.
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Ulrich Rasche macht aus Büchners Drama in Frankfurt ein überwältigendes Revolutions-Oratorium. [...] Georg Büchners Revolutionsdrama »Dantons Tod« als gigantomanisches Maschinenrotationswerk im Operngroßformat. Mit Wortwalzenwucht daherdonnernd, dass es einem durch Mark und Bein fährt. Satz-Salven. Pathos-Kanonaden. Chorisch-musikalische Sinnesattacken bei höchster Überwältigungsgefahr. Es ist großartig. Zermürbend. Berührend. Enervierend. Oft alles zugleich. Es ist nur eines nicht: Durchschnitt.
Süddeutsche Zeitung
Ein fulminanter Abend. Auf anstrengende Weise sehr berührend, sehr bildmächtig, sehr gewaltig und irgendwie auch verstörend. [...] Er (Ulrich Rasche) hat Büchners Revoultionsdrama als einen großen chorischen Gesang auf die Bühne gebracht. [...] Eine rasante Interpretation und auch ein großartiges Zusammenspiel von Sprechen, von Musik, von Bühnenbild.
hr2 Kulturfrühstück
Regisseur Ulrich Rasche hat Georg Büchner beim Wort genommen: Er übersetzt hautnah, wuchtig und beklemmend intensiv die Gewalt und Dynamik revolutionärer Prozesse in die Wirklichkeit – der Bühne. [...] Präzise zeigt Regisseur Rasche, wie einzelne Stimmen von kollektiv herausgebrüllten, virtuos rhythmisierten Phrasen erstickt werden. [...] Es ist von brennender Aktualität, wie die schwarzgekleideten Vollstrecker der revolutionären Doktrin im umdüsterten Raum ihrer Hassreden gegen Verräter, Feiglinge, Abweichler, Konterevolutionäre, gegen die Reichen und korrupten Eliten zu Abbildern eines tödlichen Fanatismus weltweit mutieren.
Deutschlandfunk
Grandiose Schwarze Messe. Toller Abend im Schauspiel. [...] Packend, mitreißend, überwältigend. [...] Ulrich Rasche inszeniert das genial. Einfachste Mittel, brachiale Ästhetik, durchkomponiert, verblüffend. [...] Nico Holonics glänzt als abgefeimter Robespierre, mit geziertem Schritt und intriganter Schärfe. Starkes Ensemble, satter Sound. [...] 2:15 Stunden, die im Gedächtnis bleiben. Toll.
Bild
Robespierres Stimme, und die Stimme ist in solcher Lage extrem identitätsstiftend, klingt hell und brüchig, diesem Mann ist nicht das sonore Reden, aber wohl das Geifern gegeben. Dass auch er am Seil hängt, lässt ihn die Schultern hochziehen. Sein Lachen ist verlegen. Seine Hände sind rege Maulwurfpranken. Einmal stehen Kessler und Holonics nebeneinander. Beide aufrecht, beide unheimlich klein auf der Walze.
Frankfurter Rundschau
Es ist ein faszinierendes, einprägsames Mahlwerk, das der Regisseur und Bühnenbildner Ulrich Rasche für seine Frankfurter Büchner-Inszenierung entworfen hat. [...] Zusammen mit dem düster-dräuenden Sound zweier Celli, eines Basses und einer E-Gitarre sowie den elegisch-monotonen Gesangswogen dreier Sänger entsteht so ein machtvolles, aber zutiefst pessimistisches Requiem der Revolution, komponiert von Ari Benjamin Meyers.Torben Kessler zeigt in der Titelpartie, dass in seinem Danton nicht nur ein gemäßigter Revolutionär steckt, sondern auch ein blitzgescheiter Volkstribun. Ganz anders Nico Holonics. Er spricht die Worte Robespierres so geschliffen scharf wie eine Guillotinen.
Die Deutsche Bühne
Der Disput der beiden ungleichen Männer, des so körperlichen, der Sinneslust zugewandten, zweiflerischen Danton und des abstinenten, fest verfugten, blutdurstigen Robespierre ist ein großer Moment dieses monströsen Theaterabends.
Nachtkritik
»Dantons Tod« im Frankfurter Schauspielhaus mit herausragenden Akteuren. [...] Es ist ein eindrucksvolles Bild, mit dem Regisseur Ulrich Rasche (auch für die Bühne verantwortlich) die Premiere von Georg Büchners Drama »Dantons Tod« eröffnet. Er wird es mit wenigen Veränderungen bis zum Schluss durchhalten, den ständigen Weg der Menschen auf den Walzen, keine Zeit zum Ausruhen, kein Entkommen: Die Revolution gibt den Tritt vor. [...] Wenn Danton auf dem Boden kriechend über die Walzen robbt, Robespierre anschreit, nicht bittet, sondern fordert, dann ist das ganz großes Theater. [...] Ein großer Schauspielerabend.
Wiesbadener Kurier
Eine im Wortsinn grandiose Zuschauerüberforderung. [...] Ein in Todesnähe hell aufleuchtendes Licht setzt Torben Kessler in diese Nacht, der als Danton eine überzeugende Entwicklung vom Verzweiflungsgrinser zum eloquent-zornigen Verteidiger seiner Werte durchläuft.
Journal Frankfurt
Die mehr als zweistündige, pausenlos treibend bewegte Monotonie der Großform gebiert im Verbund mit Variationen des körperlichen, mimischen, sprecherischen Spiels packende, ja erschütternde Intensität.
Rhein-Zeitung
Torben Kessler verleiht dem Lebemann Danton mit Schweißnasser Brust eine Weltgenervtheit. Wenn er aus Büchners Brief an seine Braut zitiert »Was ist es, was in uns lügt, mordet, stiehlt«, schnappt die Stimme schier über, und die Gitarren pluckern traurig. Nico Holonics stattet den Moralterroristen und Tugendfanatiker Robespierre im strengen schwarzen Gehrock mit sanfter Schärfe aus, die eine bedrohliche Ahnung davon gibt, wie Askese und Amok verschmelzen können.
Echo
Ein herausragendes handwerkliches Kunststück, allein schon wegen der ungewöhnlichen Bühnenoptik und dem chorischen Einsatz des Ensembles [...]. Beide Elemente vermitteln eine außergewöhnlich faszinierende Ästhetik und Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. [...] Den Abend prägt Torben Kessler als großartiger Georg Danton maßgeblich. Zunächst als passiver, ja quasi gelähmter Revolutionsführer, der schon fast der Welt entrückt zu sein scheint, dann wandelt er sich stark hin zu kämpferischer Größe.
Kulturfreak
Unter Regisseur Ulrich Rasche hatte Georg Büchners Drama »Dantons Tod« als schaurig-schönes Oratorium Premiere am Schauspiel Frankfurt. [...] Das sind erhabene, monumentale Bilder von fast archetypischer Kraft, ein »Danton«, wie man ihn noch nicht gesehen hat.
Frankfurter Neue Presse
Ulrich Rasche setzt »Dantons Tod« am Frankfurter Schauspiel wirkungsvoll in Szene. [...] Das ist richtig starkes Theater. [...] Die Ensembleleistung ist großartig. Voran das zentrale Männertrio. [...] Ein fesselnder, intellektuell anregender Theaterabend. 
Offenbach-Post

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Schauspielhaus

Premiere 27. März 2015

2. Std. 15 Min.
Regie/Bühne
Ulrich Rasche

Komposition
Ari Benjamin Meyers

Kostüme
Sara Schwartz

Chorleitung
Alexander Weise

Dramaturgie
Michael Billenkamp

Besetzung
Torben Kessler (Georg Danton)
Nico Holonics (Robespierre)
Isaak Dentler (St. Just)
Toni Jessen (Camille Desmoulins / Lacroix)
Alexander Weise (Hérault-Séchelles)
Timo Fakhravar (Herrmann)
Mitglied im SCHAUSPIELstudio
Alice von Lindenau (Legendre)
Paula Skorupa (Philippeau)
Mitglied im SCHAUSPIELstudio
Eva Maria Sommersberg (Julie)
Paula Hans (Lucile)
Markus Gläser (Bürger)
Ensemble (Chor des Volkes)
Guillaume François, Maurice Lenhard, Arturas Miknaitis (Sänger)
Aki Kitajima, Ruben Jeyasundaram, Thomsen Merkel, Jan Terstegen (Live-Musiker)