Foto: Christian Schuller
Im Dezember 1958 starb die Mutter von Peter Weiss und kurz darauf sein Vater. Und obwohl das Verhältnis zu beiden, besonders jedoch zur dominanten Mutter, von fortwährenden Auseinandersetzungen geprägt war, traf Weiss der Verlust der Eltern hart. Was folgte war eine schwere Depression, eine Lebenskrise, geprägt von Gefühlen des »Fremdseins« und der »Unzugehörigkeit«, welche schließlich zu einer Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich führte. Peter Weiss gelangte zu der Überzeugung, dass allein in der bewussten, analytischen Aufarbeitung der Vergangenheit die Möglichkeit lag, sich von ihr zu emanzipieren und sich neu zu erschaffen. In dieser Zeit entstand »Abschied von den Eltern«. Die autobiographische Erzählung handelt von dem Zauber und den Abgründen der Kindheit, den schmerzhaften Prozessen des Wachsens, der Suche nach einem eigenen Leben als künstlerische Persönlichkeit. Es ist das Protokoll einer Selbstbefreiung und zugleich eine kritische Betrachtung des konservativen Bürgertums Mitte des 20. Jahrhunderts, weshalb »Abschied von den Eltern« auch zu einem wichtigen Werk für die Jugendprotestbewegung von 1968 wurde. Kornelius Eich hat die Inszenierung ursprünglich im Rahmen der X-Räume Reihe „Spielraum“ erarbeitet.

Pressestimmen

»Ein starkes Solo, das dem spärlichen Material aus Szene, Kostüm, Requisit mit Hilfe der flexiblen Rezitationsstimme und kleiner Aktionen aus Mimik, Gestik und Bewegung ein Maximum an Variationen entlockt. […] Alle werden zur Gemeinde, da er sich wie ein vorkonziliarer Priester mit dem Rücken zu uns aufstellt, um den Opferaltar der Bühne zu fixieren. Eine minutiöse Darstellung, die mühelos die Spannung hochhielt.«
Frankfurter Neue Presse, 2. Oktober 2018
»Außerordentlich feinnervig und ohne Prätention intensiv ist Schröders Spiel, befördert durch die Nähe in der gedrängten Theaterkammer. Unbedingt sehenswert.«
Offenbach Post, 2. Oktober 2018
»Kornelius Eich hat die Produktion »Abschied von den Eltern« im Rahmen der Reihe »Spielraum« entwickelt und somit auf das Spielzeitthema »Umbrüche. Wie sind wir geworden, wer wir sind?« reagiert. Die Antwort des 1989 geborenen Theatermachers ist gemeinsam mit Peter Schröder überzeugend gelungen.«
Frankfurter Rundschau, 2. Oktober 2018
»Schauspieler Peter Schröder, bekannt für seine Sprachäquilibristik und seinen einfühlsamen Umgang mit problematischen Texten, stemmte auch diesen hochpoetischen Monolog über das Erwachsenwerden und ein künstlerisches Coming-out grandios. […] Peter Schröder gelingt es, diesen Kampf mit den Eltern um das künstlerische Eigenleben eines verquälten Angstneurotikers intensiv nachvollziehbar zu machen, ja das Publikum regelrecht in das strenge Bühnenbild von Loriana Casagrande zu bannen.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Oktober 2018

Bildergalerie

Kammerspiele

Premiere 30. September 2018
Termine
Do 10.01.2019 20.00 – 21.30
Regie
Kornelius Eich

Bühne
Loriana Casagrande

Kostüme
Mareike Wehrmann

Dramaturgie
Judith Kurz

Besetzung
Peter Schröder