EINSATZ GEFRAGT

Eure Ideen zu unseren Postkarten
Wir haben Euch unsere Postkarten mit Stückzitaten geschickt und euch gebeten, den Spruch in Szene zu setzen, zum Beispiel als Cartoon, gemaltes Bild, als Foto oder kurzes Video. Ihr habt Titel und Texte dazu geschrieben und euch gefragt: Was sagt mir dieser Satz gerade?

Hier seht ihr die ersten Ergebnisse!
Ihr habt Lust bekommen, das auch auszuprobieren?

Kein Problem, schickt uns Eure Ideen
gerne per Mail an
theaterpaedagogik@schauspielfrankfurt.de

»Wir sind so oft leise, wo wir laut sein müssten.«

Text und Video: Johann Scharpenack (Jugendclub, Ensemble »Swop«)
Probleme ansprechen ist einfach. Es nicht zu tun ist einfacher. In dieser Welt, in der alles sonst so schnell läuft, läuft alles für die meisten viel langsamer. Das Wasser läuft gemütlich vor sich hin. Doch anderer Orts kommen nur ein paar Tropfen aus dem verrosteten Wasserhahn. Wir haben endlich mal Zeit für uns selbst oder nehmen mal wieder ein Buch in die Hand. Sollten wir dann nicht gerade jetzt auf die aufmerksam machen, die nicht diese Pandemie Deluxe erleben? Bei denen Ärzte, Hygieneartikel oder Medikamente Luxusgüter sind? Die in viel zu engen Flüchtlingslagern keine Möglichkeit haben sich zu schützen? Sollten nicht wir, die das Privileg habe zuhause bleiben zu können, Solidarität und Engagement zeigen? „Keine Zeit" ist gerade keine Ausrede mehr. #LeaveNoOneBehind !

Foto und Text: Sophie Löbermann (Jugendclub)

»Barbie - sponsored by Product Enslavement«

Inspiration: »Reklame, überall Reklame«
Barbie ist für mich Symbolfigur eines toxischen Frauenbildes, das von Werbekampagnen, Marken und Zeitschriften unterstützt und als "Idealbild der Frau" verkauft wird.  Ich musste bei dem Postkartenspruch und der Collage auch an Influencer*innen auf Instagram und YouTube denken, die ihren Lebensunterhalt größtenteils aus Werbeeinnahmen finanzieren. Produkte werden oft nicht ehrlich empfohlen, sondern auf Grund der Bezahlung. Auch dafür steht die Collage. Die Influencer*innen sind schließlich abhängig von ihren Geldgebern.
Foto: Annika Neebe (Jugendclub, Ensemble »Heidi in Frankfurt – Ein Integrationstheater«)

»Wir sind so oft leise, wo wir laut sein müssten«




Foto und Text: Aylin Ciftci (Jugendclub, Ensemble »Swop«)

»Man hat sich nun mal an sich selbst gewöhnt«

Man muss sich an Vieles gewöhnen
Man muss sich an Situationen gewöhnen
Man muss sich an Personen gewöhnen
Man muss sich an Lebensumstände gewöhnen
Man muss sich an seine Stärken gewöhnen
Man muss sich an seine Schwächen gewöhnen
Man muss sich für sich selbst Zeit nehmen
Man muss sich wohlfühlen, mit der Person, die man ist
Man muss vor allem im Reinen mit sich selbst sein
Man muss sich nun mal an sich selbst gewöhnen
Foto und Text: Fabienne Lichtenberger (Jugendclub)

»Geboren für die Lust?«

Inspiriation: »Man hat sich nun mal an sich selbst gewöhnt.«
Die Rose steht symbolisch für die Lust, das Make-Up jedoch für die Farben der Asexualität. Eine bis heute unbekannte Anzahl von Menschen auf der Welt hatten noch nie das Bedürfnis nach Sex mit Jemanden, weil sie sich im Laufe des Lebens an sich selbst gewöhnt haben. Leider werden sie meistens diskriminiert, als ,,prüde", ,,uncool", ,,Jungfrau" oder ,,Opfer" abgewertet, nur weil ihre Einstellung weder den Vorstellungen der Konservativen noch denen der queeren Community entspricht. Jeder Asexuelle, egal ob jung oder alt, männlich oder weiblich, sollte verstanden und akzeptiert werden, ohne den gesellschaftlichen Druck, sich durch einen Partner oder einer bestimmten sexuellen Orientierung definieren zu müssen. Denn der Mensch ist mehr wert!
Foto und Text: Darya Sotoodeh (Jugendclub)

»Zeichen setzen«

Inspiration: »Wir sind oft leise, wo wir laut sein müssten«
Informiere lese schreibe

unterschreibe setze Zeichen

Dann? Denkst du dir

Und ich denk mir

Jeder tut was er kann

Doch dann ist da eine Wand

Vor mir

die nicht weiter weiß

Was habe ich damals gemacht

werd ich mich mal fragen

»Wir sind so oft leise, wo wir laut sein müssten.«

Text: Daria Kesselmann (Jugendclub)
Wie oft habe ich nachts schon davon geträumt, dass aus der schüchternen, leisen und introvertierten Rosalie die mutige und furchtlose Rose wird. Tagsüber bin ich Rosalie. Das Mädchen, das in einer Menschenmenge immer übersehen wird, weil sie so unscheinbar ist. Das Mädchen, das während einer Diskussion in der Klasse nie ihre Meinung sagt, weil sie Angst hat, dass die Mitschüler sich über sie lustig machen und sie noch tagelang später hänseln. Das Mädchen, das immer nett lächelt und ihren Klassenkameraden hilft, obwohl sie ganz genau weiß, dass sie nur ausgenutzt wird. Und doch hilft dieses Mädchen immer wieder den Menschen, die über sie Gerüchte verbreiten und die ihr weismachen, sie hätte keine Freunde und sie auch nie haben wird, einfach aus der Hoffnung heute in Ruhe gelassen zu werden. Das ist Rosalie.

Doch nachts wird aus Rosalie Rose. Rose ist mutig und das Gegenteil von Rosalie. Sie setzt sich für andere Menschen ein, hat keine Angst ihre Meinung zu sagen und ist selbstbewusst. Für Rose spielt die Meinung anderer keine Rolle. Sie weiß, dass die anderen sie nicht wert sind. Das ist Rose.

Doch gerade in diesem Moment liege ich nicht schlafend im Bett und ich träume auch nicht von meinem anderen Ich. Im Moment stehe ich auf dem Schulhof in einer johlenden Menschenmenge. Torben der Junge, der am Liebsten Menschen wehtut, prügelt auf Jonas ein, der genauso ist wie ich−schüchtern und voller Selbstzweifel. Jonas Nase blutet schon. Er keucht, er hustet. Torben schlägt immer noch auf ihn ein, auch wenn Jonas schon am Boden liegt und keine Kraft mehr hat weiter zu kämpfen. Und alles nur, weil Jonas vergessen hat, Torbens Hausaufgaben zu machen.
Die Menge johlt und feuert Torben an. Alle schauen zu. Auch ich. Ich sehe zu wie Torben Jonas seine Rippen bricht. Eine nach der anderen. Rose hätte das nie zugelassen. Sie wäre in die Menge gestürmt, hätte Torben weggeschubst und Jonas geholfen.
Doch ich bin nicht Rose, sondern Rosalie.
Ich habe zu viel Angst mich einzumischen, bin zu verloren, zu schockiert von mir selbst. Ich bekomme es nicht einmal hin, einen Lehrer zu holen oder die Polizei zu rufen. Stattdessen sehe ich schweigend zu und mache nichts. Wie jeder andere auch.
Bild und Text: Isaak Kudaschov (Jugendclub, Ensemble »Swop«)

»Jens Spahn nervt«

Inspiration: »Wir sind so oft leise, wo wir laut sein müssten«
die illustration bezieht sich auf den tag, an dem das deutsche rote kreuz ein paar krankenwagen auf den uni campus gestellt und werbung fürs blutspenden gemacht hat, denn deutschland hat bekanntlich einen ernsthaften spender*innenmangel. tja, leider dürfen homosexuelle menschen nach wie vor weder blut noch plasma oder irgendwas spenden, also wenn deine oma auf der warteliste stirbt, dann darfst du dich bei jens spahn bedanken.
+ergänzung: homosexuelle dürfen nach 1 Jahr sexueller enthaltsamkeit Blut spenden.
schwule dürfen also unter der voraussetzung, dass sie sich entwürdigenden fragen stellen ("wann hatten Sie das letzte mal...?) in deutschland blut spenden.