Bau der Theaterdoppelanlange, 1962 / Foto: Institut für Stadtgeschichte
Im Jahr 1782 hob sich der Vorhang im ersten eigens errichteten Theatergebäude der Stadt Frankfurt, dem Comoedienhaus am heutigen Rathenauplatz, das fortan als feste Spielstätte von Oper und Schauspiel unter dem gemeinsamen Direktor Friedrich Wilhelm Großmann genutzt wurde. Für das im 19. Jahrhundert zu einer Großstadt heranwachsende Frankfurt wurde das Comoedienhaus bald zu klein und so zog das Musiktheater 1880 in die heutige Alte Oper. Auch das Schauspiel wechselte 1902 seine Spielstätte: Am 1. November wurde das Neue Schauspielhaus, ein monumentaler Jugendstilbau, am Willy-Brandt-Platz (damals Theaterplatz) eingeweiht. Langjähriger Intendant (1879 – 1912) war Emil Claar. 1920 leitete Richard Weichert, ein Schüler Max Reinhardts, das Schauspiel. Unter seiner Führung kamen viele bedeutende expressionistische Inszenierungen auf die Bühne. 1919 erhielten die vereinigten Stadttheater den Namen Städtische Bühnen Frankfurt am Main.

Die nationalsozialistische Machtübernahme sorgte 1933 für eine Zäsur. Neuer Generalintendant wurde für die gesamte Zeit des Hitler-Regimes Hans Meissner. 1945 lagen alle Frankfurter Theater in Trümmern. Schon kurz nach Kriegsende begannen Oper und Schauspiel in den wenigen intakt gebliebenen Sälen der Stadt zu spielen. Die erste Schauspielinszenierung »Ingeborg« von Curt Goetz wurde im ehemaligen Rundfunksendesaal zur Aufführung gebracht. Später wurde der Saal der Frankfurter Börse für 18 Jahre zur Behelfsspielstätte für das Schauspiel. 1963 wurde schließlich die Theaterdoppelanlage für Oper und Schauspiel eingeweiht, wie sie noch heute besteht. Das Schauspiel eröffnete am 14. Dezember mit Goethes »Faust« seine neue Spielstätte. Die Kammerspiele wurden eine Woche später mit Wittlingers »Seelenwanderung« eingeweiht. Intendant Harry Buckwitz (1951 – 1968) nahm zunehmend Kurs auf das politische Theater. Allein fünfzehn Werke Brechts kamen in seiner Ära auf die Bühne. Mit der Uraufführung von Peter Weiss' »Viet Nam Diskurs« wurde das Theater zum Ort der politischen Auseinandersetzung. Zum Ensemble unter Buckwitz gehörten u.a. Therese Giehse, Grete Mosheim, Arno Assmann und Hans Ernst Jäger.

Eine prägende Phase erlebte das Schauspiel Frankfurt 1972 bis 1981 während des Mitbestimmungsmodells. Die Funktion des Generalintendanten wurde zunächst abgeschafft und an die Spitze des Schauspiel Frankfurt trat ein Dreierdirektorium, das sich aus einem vom Magistrat berufenen Regisseur (Peter Palizsch) und Bühnenbildner (Klaus Gelhaar) sowie einem von der Vollversammlung gewählten Schauspieler (Peter Danzeisen) zusammensetzte. Das Direktorium war an die Beschlüsse des Künstlerischen Beirats gebunden, zu dem ausgewählte Schauspieler, Regisseure, Assistenten und Praktikanten sowie Bühnen- und Kostümbildner, Souffleusen und Inspizienten gehörten. Der Künstlerische Beirat hatte sich wiederum an Beschlüsse der Vollversammlung zu halten (bestehend aus allen Beschäftigten des künstlerischen Bereichs). Dieses in Deutschland einmalige Mitbestimmungsmodell wurde unter dem Direktorium von Wilfried Minks und Johannes Schaaf in der Spielzeit 1980/81 fortgesetzt. Nach einer Theaterbesetzung durch RAF-Sympathisanten und einer polizeilichen Räumung des Hauses am 21. März 1981 wurde das Mitbestimmungsmodell durch die Stadtverordnetenversammlung und den Frankfurter Oberbürgermeister aufgelöst.

In der Phase der Mitbestimmung arbeiteten unter anderem die Regisseure Hans Neuenfels, Klaus Michael Grüber, B. K. Tragelehn oder Horst Zankl am Schauspiel Frankfurt. Zum Ensemble gehörten u.a. Susanne von Borsody, Rosemarie Fendel, Elisabeth Schwarz, Elisabeth Trissenaar, Josef Bierbichler, Traugott Buhre, Heinrich Giskes, Ernst Jacobi, Peter Kremer, Paulus Manker, Peter Roggisch, Fritz Schediwy und Siggi Schwientek.

Nach Adolf Dresen (1981 – 1985) wurde Günther Rühle für fünf Jahre Intendant des Schauspiel Frankfurt. Kurz nach Amtsantritt geriet die für den 1. Oktober 1985 geplante Erstaufführung von Fassbinders »Der Müll, die Stadt und der Tod« zum Theaterskandal. Zuschauer besetzten die Bühne und hinderten die Darsteller am Weiterspielen. Während der Intendanz Rühles war Einar Schleef einer der drei Hausregisseure des Schauspiel Frankfurt, der mit seinen umstrittenen politischen Antikenprojekten für Aufsehen sorgte. 1990 inszenierte Einar Schleef »Faust« mit Martin Wuttke. 1987 musste das Schauspiel noch einmal aus seiner Spielstätte weichen, da bei einem Brand die Bühne der Oper zerstört worden war und diese für drei Jahre das Schauspielhaus nutzte. Das Schauspiel zog daher in das Bockenheimer Depot, das seitdem fester Bestandteil des Frankfurter Kulturlebens ist und seit 2009 wieder regelmäßig durch das Schauspiel Frankfurt bespielt wird. Für die Spielzeit 1990/91 übernahm Hans Peter Doll die Leitung des Schauspiel Frankfurt, bevor ihm 1991 für zehn Jahre Peter Eschberg im Amt folgte.

2004 wurden die Städtischen Bühnen Frankfurt in die Rechtsform einer GmbH überführt. Zu dieser Zeit war Elisabeth Schweeger Intendantin des Schauspiel Frankfurt. Unter ihrer Leitung tat sich vor allem der Hausregisseur Armin Petras hervor, der die Spielstätte schmidtstraße 12 leitete.

Neuer Intendant wurde 2009 Oliver Reese, der vom Deutschen Theater Berlin ans Schauspiel Frankfurt wechselte. Nach einem Umbau der Zuschauersäle im Schauspielhaus und den Kammerspielen eröffnete das Doppelprojekt »Ödipus/Antigone« in der Regie von Michael Thalheimer die neue Intendanz. Reese bringt mit Michael Thalheimer, Andreas Kriegenburg, Stephan Kimmig, René Pollesch, Karin Henkel u.a. aktuell führende deutschsprachige Regisseure nach Frankfurt. 

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