„Seid ihr schon ganz am Rand?“ Plötzlich wirkt die über 550 Quadratmeter große Bühne im Schauspiel ganz bescheiden. Ein paar Stellproben rücken die Perspektive wieder gerade: Eine Assistentin betritt die Bühne, lehnt sich an die Gestaltungselemente, von denen hier noch keine Rede sein darf, läuft einmal die gesamte Tiefe ab, bis sie im hinteren Teil der Bühne im Dunkeln landet. So klein wie befürchtet wird das Gesamtbild also nicht ausschauen. Trotzdem: Mit allen ALL OUR FUTURES zeitgleich auf der Bühne bleibt einfach weniger Platz für ein umfangreich gestaltetes Arrangement.

Zur großen Bauprobe sind alle Gewerke vertreten: Am Regietisch sitzen Regisseurin Jessica Glause und Jil Bertermann, die das Bühnenbild gestaltet. Der Musiker ist da, der Leiter der Bühnentechnik mit Bühnenmeister und einer kompletten Mannschaft, die Abteilungsleitungen von Licht, Ton, Video, den Bühnenwerkstätten, der Konstruktion, von Maske, Requisite und Kostüm, außerdem Dramaturgie und künstlerisches Betriebsbüro, Produktionsleiterin und Künstler_innen von ALL OUR FUTURES, für die künstlerische Leitung Martina Droste, und auch Intendant Anselm Weber schaut vorbei. Vor zwei Wochen gab es die Modellpräsentation, nun also das alles im richtigen Maßstab. Bewundernde Worte, wie gut die Bauprobe vorbereitet wurde: So viele ausgearbeitete Details statt nur Platzhalter hatten die meisten nicht erwartet.

Bitte keine Details


Für diese zwei Stunden herrscht mittelhohe Geheimhaltungsstufe: Details dürfen nicht nach außen dringen. Fotos werden nur für interne Zwecke gemacht, und alle konkreten Hinweise auf einzelne Elemente sind untersagt. So viel wird aber sicherlich erlaubt sein: Es wird glitzern, urban zugehen, und ein paar verwandelbare Elemente sollen auch eine wichtige Rolle spielen. Neben der Gestaltung müssen aber auch technische und praktische Dinge abgestimmt werden: Sichtachsen, Dimensionen, Gehwege für die Schauspieler_innen, Lichteinfall und Projektionen, Sound und Video.
Am Theater gibt es eine einzige Bauprobe, da bildet auch „Die Gründung“ (Arbeitstitel) keine Ausnahme. Ein paar Dinge machen die heutige Zusammenkunft aber besonders voraussetzungsreich: Zum einen, dass selten so viele Darsteller_innen wie im April auf der Bühne stehen werden. Und: Das Stück befindet sich gerade noch in der Entwicklung. Während die ALL OUR FUTURES in ihren Teams Fähigkeiten vertiefen und immer noch laufend neue Ausdrucksformen ausprobieren und kennen lernen, wird im Hintergrund am Text für die große Abschlussaufführung gearbeitet. Ein paar Eckdaten gibt es, doch wie Autorin Tina Müller die Rollen und Geschichten konkret ausarbeiten wird, ist noch nicht bekannt.

Dass noch nicht jeder Satz zur Bauprobe steht, ist üblich. Heute müssen aber alle Beteiligten noch eventueller denken: Für ein Bühnenbild, das schon so konkret wie möglich ausgearbeitet wird. Zugleich aber eines, das flexibel anpassbar bleibt. Auch deshalb arbeitet die Bühnenbildnerin Jil Bertermann mit Elementen, die verschoben, beklettert, ganz unterschiedlich bespielt werden können. Auch „rumhängen“ sollen die ALL OUR FUTURES hier zwischendurch können, findet Jessica Glause. Anderes hängt an Seilen von der Bühnendecke, von wo aus es schnell zur Seite oder nach hinten geschoben werden kann, oder wird auf Wände projiziert.
Und dann muss wie immer auch die Kalkulation stimmen: Schauen wir mal, meint der Leiter der Werkstätten, wie wir da hinkommen. Nicht jeder Wunsch ist finanziell machbar. Heute gibt es noch Gelegenheit, so viele Dinge wie nötig zu klären. Die Feinjustierung findet danach nicht mehr in ganz großer Runde statt, sondern zwischen den verschiedenen Gewerken, bevor das Ergebnis dann bei der Premiere am 25. April auf der großen Bühne im Schauspielhaus zu sehen sein wird.