Eigentlich kennt man sie eher aus Architektur-Modellen: winzige Plastikfiguren, die jeden erdenklichen Charakter und fast jeden Berufsstand darstellen. Die Schüler_innen der Walter-Kolb-Schule sind vor Kurzem mit einer Handvoll dieser Mini-Menschen losgezogen und haben im Frankfurter Westen ein ganzes Universum an Kleinstwelten geschaffen. Die Geschichten dazu sind in der vergangenen Probe entstanden:
Alles so laut, aber doch so klein.
Bin ich wirklich allein?
Leben auf der Straße, das ist nicht das, was ich ahnte!
Rot-weiß im Hintergrund
Grau-schwarz die Welt, nicht kunterbunt.
Häuser groß und prächtig,
Aber auch Häuser klein und schmächtig.
Schilder in bunten Farben,
Damit schreib ich meinen Namen.
Baustelle hinter mir ziemlich groß,
Der Schmerz in meinem Herz noch schlimmer als der Tod.
Der Abgrund tief und funkelnd,
Das Geheimnis liegt im Dunkel.
Der Abgrund ist mein Schmerz.
Die Kante mein Herz.
Plagt sie mein Gewissen,
Werd ich fallen oder werd ich geschissen.

[Katrin]
Ich: Hallo, wie ist dein Name?
Gustavo: Mein Name ist Gustavo.
Ich: Wie findest du den Ort?
Gustavo: Ich finde den Ort sehr einsam und ruhig.
Ich: Was findest du schön?
Gustavo: Die Ruhe, weil man hier nachdenken kann.
Ich: Fühlst du dich wohl?
Gustavo: Ja, sehr.
Ich: Was würdest du dir wünschen?
Gustavo: Dass ich hier mit einem Partner sein kann, dem ich vertrauen kann und mit dem ich über alles reden kann.
Ich: Du bist eigentlich sehr nett. Warum hast du denn keine Freunde?
Gustavo: Wegen dem Geld.
Ich: Hä? Wie? Erklär mir mal, was geschehen ist. Du kannst mir vertrauen, ich werde dir auch helfen.
Gustavo: Ich hatte halt sehr viel Geld gehabt und auch ein paar Freunde. Sie haben mich aber alle nur ausgenutzt. Dann hatte ich kein Geld gehabt und sie haben sich nicht mehr gemeldet.
Ich: Du Armer. Egal, du hast jetzt einen Freund mehr und zwar mich.
Gustavo: Danke.
Ich: Ich melde mich bald nochmal. Bis dann.
Gustavo: Tschüß bis bald.

[Ayoub]
Boah, ich komme hier nicht raus! Warum ist es so schwer? Er kriegt es halbwegs hin und ich nicht ansatzweise, mir bleibt nichts mehr übrig, ich schaue umher. Hier sind eigentlich auch schöne Dinge, die mir nicht aufgefallen sind. Ich sehe Schatten, Licht, Menschen, die sich wohlfühlen. Das ist wie ein Essen- und Trinken-Paradies. Was mir so nicht gefällt, ist der Geruch von Bier und ich schwitze. Vielleicht hinterlässt mein Schweiß Spuren. Ich will hier raus, so schnell wie möglich! Wie wäre es, wenn ich ihm helfe und er mir danach hilft rauszukommen? Ich hoffe, er sagt ja! Ich mache mir Sorgen. Es belastet mich, wenn ich ihn sehe, wie er schon fast draußen ist und ich noch nicht mal ein Stück weitergekommen bin. Ich wünsche mir so sehr, aus dem Band zu kommen und frei zu sein.

[Anas]
Von Freiheit und Familie ausgeschlossen: Keine Familie, keine Freiheit, kein warmes Bett zum Schlafen. Warum ist das so; können nicht alle Menschen gleich normal leben? Fast sind zurzeit nur Kriege in Ländern, ob groß oder klein, alle werden einfach getötet. Auch in anderen Ländern gibt es manche ohne Familie. Was soll man dann nur machen? Einfach auf der Straße sitzen? Auch ein richtiges Zuhause hat man nicht. Kann man nicht wie alle Menschen auf einem sauberen Platz sitzen? Und die schönen Sehenswürdigkeiten genießen, das Zwitschern von Vögeln, die schönen ausgewachsenen Blüten? Zurzeit beschäftigen sich alle mit dem eigenen Leben, keiner interessiert sich mehr für arme Leute oder Obdachlose. Kinder verhungern, man kann doch nicht ohne Essen leben. Manche Leute suchen sogar ihr Essen in Mülltonnen und wenn sie dann andere Menschen sehen, denken sie direkt etwas Schlimmes über sie. Und dann gibt es noch strenge Gesetze, die über Flüchtlinge und arme Menschen sprechen. Einfach unglaublich, man ist von Freiheit und Familie ausgeschlossen. Schade, dass nicht alle Menschen einfach nur gleichberechtigt werden, schade, einfach nur schade.

[Asma]