Schnell die Schuhe ausziehen, denn der neue weiche Tanzboden liegt schon mitten in der Orangerie. Miriam verteilt einzelne Zeitungsseiten: »Wir machen gleich einen Zeitungstanz, aber nicht so, wie ihr den von Kindergeburtstagen kennt. Stellt euch vor, wir schreiben heute das Jahr 2068. Was könnte also eine Schlagzeile in 50 Jahren sein?«
›Klimawandel so weit fortgeschritten, dass uns nur noch wenige Wälder bleiben!‹
›An Schulen arbeiten wegen Lehrermangel nur noch Roboter‹
›Eröffnung der fliegenden Gärten!‹
›Das Eis ist wieder da – der Nordpol kommt zurück‹
›Kanzlerin Gundula Merkel, eine entfernte Verwandte der verstorbenen Angela Merkel, rief dazu auf, sich stärker für die Gleichberechtigung einzusetzen, da Männer aktuell weniger Rechte haben‹
›Bauarbeiter_innen haben auf dem Mars die erste Megacity fertiggestellt‹
›Mann hat sich auf der Arbeit organisch selbst wiederbelebt‹
Gerade beschäftigt sich der Kinderschutzbund mit den ganz großen Themenkomplexen von Veränderung, Übergang und Reise. Wo finden Umbrüche statt? Welche Sicherheiten geraten aus dem Gleichgewicht? Wie machen sich Wandlungsprozesse bemerkbar? Sind sie temporär oder unumkehrbar? Was machen Veränderungen mit uns Menschen? Wo betreffen sie mich konkret als Individuum? Kann ich Einfluss nehmen und (mit)gestalten?
»Zustände jeglicher Art erleben wir mit unserem Körper und auch Veränderungen nehmen wir wahr.« Kristina erklärt die kleine Übung, in der es genau darum geht: mit dem eignen Körper stetig wandelnden Situationen und Anforderungen nachzuspüren. »Ich stoppe jetzt die Zeit und ihr habt zwei Minuten, um vom Liegen in den aufrechten Stand zu kommen – und zwar in einer einzigen kontinuierlichen Bewegung, also keine Pausen zwischen den einzelnen Sequenzen einbauen. Achtet mal auf euer Zeitgefühl! Merkt ihr, wann zwei Minuten vorbei sind?« Und tatsächlich – selbst diese kurze Zeitspanne wird so verschiedenen eingeschätzt und wahrgenommen, dass die einen beim Piepen des Handyalarms mit ihrer Bewegung noch lange nicht fertig sind, während andere längst stehen. Aliya sieht sich um: »Das ist richtig schwierig irgendwie zu zählen, wenn man gar keine Orientierung hat, wie zum Beispiel Musik.« Linus nickt: »Ja, man braucht irgendeinen Rhythmus, sonst fühlt sich der Körper so leer an.« Kristina schaltet Musik dazu und weiter gehen die Minuten-Metamorphosen: »Versucht mal einen Ablauf von fit zu schlapp oder von tanzend zu verletzt.«
Von der Körperarbeit geht es kurz vor Schluss noch auf individuelle Vorstellungsreise: Welche Veränderungen betreffen euch in nächster Zeit? Worauf freust du dich? Was macht dir Angst?
»Vorfreude auf mein neues Geschwisterchen!«
»Endlich erwachsen zu sein und ›mehr zu dürfen‹.«
»Wie werden sich bekannte Landschaften und meine Stadt verändern? Gibt es irgendwann nur noch riesige Häuser?«
»Jahreszeiten und ihre Unterschiede sind immer wieder besonders.«
»Mich trauen, mir die Haare zu färben.«
»Angst vor schlechter Laune in der Pubertät.«
»Werde ich bei einem Schulwechsel alle meine Freunde verlassen müssen?«
»Sorge vor dem Tag, an dem mein Hund stirbt.«
»Was passiert, wenn durch den Klimawandel Inseln und Länder verschwinden?«
»Freude auf mein eigenes Leben nach dem Schulabschluss.«