




Was für Fritz Lobheimer nur eine Liebelei ist, bedeutet Christine Weiring alles. Seit kurzer Zeit treffen sie sich, unverbindlich, genau wie das befreundete Paar Mizi und Theodor. Der Genuss des Augenblicks steht im Vordergrund, flüchtig und schön, tief und ernst für den Moment. Doch Christine sucht nach etwas, das weiter reicht, das eine Verbindlichkeit schafft über die bloße eruptive, ekstatische Leidenschaft hinaus. Sie möchte ein Bekenntnis, das in die Zukunft schielt und Gemeinsamkeit statt hedonistischer Ichbezogenheit verspricht. Doch alles kommt anders. Eine gesellschaftliche Konvention, eine zweite Frau und ein geheimes ungeahntes Leben schieben sich zwischen Christine und Fritz.
Ohne Pathos, unbestechlich und bezwingend zeichnet Arthur Schnitzler in »Liebelei« das Verhängnis der Unverbindlichkeiten. Was nach Harmlosigkeit, nach Wiener Kolorit klingt, erweist sich als unerbittlich. Schnitzlers Gefühlswelten sind beherrscht von einer brutalen Kraft, die sich jenseits allen Süßen-Mädel-Charmes ansiedelt. Den Schlingen seiner Welt ist nicht zu entkommen.
Stephan Kimmig, 1959 in Stuttgart geboren, inszenierte in der letzten Spielzeit den Aufstieg und Fall des Mädchens »Lulu« am Schauspiel Frankfurt. Mit »Liebelei« wird er sich in die Gefühlstiefen des Schnitzler-Kosmos’ vorpirschen. Er arbeitet in Hamburg, Wien, Stuttgart, Berlin, erhielt zahlreiche Preise für seine Inszenierungen und war mit »Thyestes«, »Nora«, »Maria Stuart« und »Liebe und Geld« beim Berliner Theatertreffen vertreten.