





»Die Legende vom heiligen Trinker« ist die letzte Erzählung, die Josef Roth vollendet, ehe er im Alter von nur 45 Jahren an den Folgen seiner eigenen Trunksucht stirbt. Er nennt sie »Mein Testament«. In düsterer Vorahnung nimmt er in der traurig-schönen Geschichte des obdachlosen Alkoholikers Andreas, dem auf seiner Wallfahrt durch die Kneipen von Paris zahlreiche Wunder begegnen, seinen eigenen Tod vorweg: »Gebe Gott uns allen, uns Trinkern, einen so leichten und so schönen Tod!«
Joseph Roth wird 1894 als Sohn jüdischer Eltern in Galizien geboren. Um zu studieren, geht er nach Wien. Im Ersten Weltkrieg ist Roth Soldat, später wird er Journalist. Nach seiner Hochzeit mit Friedl Reicher in Berlin mietet er, der sonst nur in Hotels und Cafés lebte, zum ersten und letzten Mal in seinem Leben eine Wohnung. Als Reporter ist er einer der Besten seiner Zeit. Seine Artikel sind von literarischer Qualität, seine Romane von journalistischer Aktualität. Nach Hitlers Machtergreifung 1933 verlässt Joseph Roth Deutschland. Im Alkohol sucht er Halt – und findet in ihm einen langsamen Tod. 1939, verarmt und krank, stirbt er im Pariser Exil.