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SCHAUSPIEL FRANKFURT
sehr geehrte damen und herren,liebes publikuM,


mit »Faust« stand einer der wichtigsten deutschen Mythen am Beginn der Spielzeit 2012/13, ein gewaltiger und zugleich hoch problematischer Stoff. Er zwingt uns wie kaum ein anderer zur Selbstbefragung: Die faustische Suche nach grenzenloser Erweiterung, die Hybris und der Anspruch auf fortwährenden Zuwachs sind längst zur Schicksalsfrage des modernen Menschen geworden. Ist der Fortschritt am Ende? Sind wir ohnmächtig geworden im Angesicht neuer gesellschaftlicher, ökonomischer und ökologischer Herausforderungen? Welche Handlungsspielräume bieten sich noch?
Goethe lässt seinen Helden am Schrecken einer beschleunigten, rationalisierten Welt scheitern: als albtraumhaftes Menetekel einer irrlaufenden Fortschrittsgläubigkeit der Moderne. Damit setzen wir zugleich, von »Faust« ausgehend, ein Thema für die ganze Spielzeit – das Faustische setzt sich konsequent fort, von Bulgakows »Der Meister und Margarita«, einer Art russischem Anti-Faust (mit der höllisch guten Musik von »Get Well Soon«), bis hin zu Zuckmayers Nazi-Apokalypse »Des Teufels General«.

Auf dem Spielplan stehen Stücke von Kleist, Horváth und Büchner, aber auch Uraufführungen von so wichtigen Gegenwartsautoren wie Dennis Kelly, Oliver Kluck, Moritz Rinke und Felicia Zeller. Experimentelle Formen bieten neue Projekte vom Performance-Duo Auftrag : Lorey und dem Entwickler szenischer Installationen Bernhard Mikeska (»Making of :: Marilyn«). Prägende Regisseure wie Michael Thalheimer, Andreas Kriegenburg, Bettina Bruinier oder der junge Hausregisseur Christoph Mehler setzen ihre Arbeit in Frankfurt fort, daneben entwickeln sich neue Regiehandschriften von Bastian Kraft, Christopher Rüping oder Gernot Grünewald. Die große Regisseurin Andrea Breth arbeitet zum ersten Mal in Frankfurt und inszeniert Ibsens »John Gabriel Borkmann«, Andreas Kriegenburg bringt Tschechows »Die Möwe« auf die Bühne.

Für Kinder und Jugendliche gibt es in dieser Spielzeit insgeamt fünf Neuinszenierungen, so viel Programm wie noch nie: Nach »Krabat« und »Swing again« stehen »Kiebich und Dutz« und »Fegefeuer in Ingolstadt« auf dem Programm.

Die beiden Gesprächsreihen von Daniel Cohn-Bendit und Michel Friedman werden fortgeführt und laden zur Diskussion ein. Eine neue Vortragsserie unter dem Titel »Nach dem Fortschritt« begleitet das Programm der Saison gedanklich und diskursiv.

Theater ist für mich eine unbeirrbare Suche, um die Welt, in der wir leben, mit neuen und anderen Augen zu sehen: wach, mutig und ohne Schranken. Theater darf und soll irritieren, Applaus und Kritik gleichermaßen tragen und provozieren. Ich freue mich, dass sich immer mehr Frankfurter auf dieses Erlebnis einlassen und sich auch immer öfter für ein Abonnement entscheiden – dieser Zuspruch ist ein wunderbarer Rückenwind für uns Theatermacher.

Seien Sie neugierig auf eine aufregende Spielzeit 2012 / 13. Wir haben uns viel vorgenommen …

Auf Wiedersehen im Theater!
 

Ihr

Oliver Reese

Intendant

 
Schauspiel Frankfurt
Neue Mainzer Straße 17 | 60311 Frankfurt am Main
Tel: 069.212.37.000